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„Wordsmith“ – Fazit

Review-Fazit zu „Wordsmith“, einem Wettlauf-Wortlegespiel.

[Infos]
für: 1-4 Spieler
ab: 10 Jahren
ca.-Spielzeit: 20-30min.
Autoren: Bill Eberle, Peter Olotka und Greg Olotka
Illustration: Annika Brüning
Verlag: HeidelBÄR Games
Anleitung: deutsch
Material: sprachneutral

[Download: Anleitung/Übersichten]
dt., engl.: https://boardgamegeek.com/boardgame/274296/wordsmith/files

[Fazit]
„Wordsmith“ ist eines dieser Spiele, das man auf den Tisch legt, einmal tief durchatmet – und dann überrascht feststellt, wie schnell aus ein paar unscheinbaren Kunststoffteilen ein wilder, kreativer Wettlauf um Wörter entsteht. Es ist ein Wortspiel, aber keines, das man einfach nur „spielt“. Man baut es. Und genau darin liegt sein Reiz.

Im Zentrum stehen die transparenten Buchstabenteile – vier unterschiedliche Formen, aus denen sich tatsächlich jeder Buchstabe des Alphabets zusammensetzen lässt. Diese Teile sind nicht nur Material, sondern das eigentliche Herz des Spiels. Sie klacken, sie rutschen, sie überlappen, und plötzlich wird aus einem gebogenen Segment ein „C“, aus geraden Linien ein „H“, aus einem Winkelstück ein „V“. Die Alphabet-Bauübersicht, diw außen auf jeder Seite der Schachtel abgedruckt ist, dient dabei als Bauanleitung und Orientierung. Besonders schön, viele Buchstaben lassen sich aus denselben Teilen bauen, aber es gibt immer nur eine korrekte Art, sie zu formen – ein kleines Puzzle im Puzzle.

Der Ablauf ist schnell erklärt, aber im Spiel überraschend dynamisch. „Wordsmith“ wird über drei Runden gespielt und in jeder Runde versuchen alle gleichzeitig, sechs gültige Wörter zu bauen. Zu Beginn würfelt ein Spieler zweimal mit vier farbigen Würfeln und alle erhalten die entsprechenden acht Buchstabenteile. Damit startet jeder mit exakt denselben Möglichkeiten – und doch driftet man schon nach wenigen Minuten in völlig unterschiedliche Richtungen ab.

Sobald die Runde läuft, beginnt das kreative Chaos. Man baut, probiert, dreht Teile, verwirft Ideen und ruft plötzlich ein Wort aus, das man gerade erfolgreich gelegt hat. Dieses Wort muss korrekt gebaut vor einem liegen, gut lesbar für alle. Dann buchstabiert man es laut und die Mitspieler haben die Möglichkeit, Einspruch zu erheben. Ist das Wort gültig? Wurde es nicht schon in dieser Runde verwendet? Entspricht es der Alphabet-Bauübersicht? Wenn niemand protestiert, wird es notiert und die verwendeten Teile bleiben vor einem liegen. Nicht benötigte Teile werden später abgeworfen.

Neue Teile erhält man jederzeit, indem man seinen persönlichen Würfel wirft. Zeigt er ein Symbol, nimmt man sich das entsprechende Teil. Würfelt man einen Joker, darf man sich sogar ein beliebiges Teil aussuchen – ein mächtiges Werkzeug, das aber auch taktisch eingesetzt werden will. Denn jedes abgeworfene Teil kostet Bonusfelder und wer zu viele davon streicht, verliert wertvolle Punkte – alle Teile, die man beim Sichern eines Wortes nicht benutzt hat werden abgeworfen. Nach zwölf abgeworfenen Teilen wird es richtig eng. Ab dann müssen alle eigenen Teile in jedem neuen Wort verwendet werden.

Der Wettlauf endet, sobald ein Spieler sein sechstes Wort gesichert hat. Dann dürfen alle anderen noch genau ein weiteres Wort legen – allerdings ohne neue Teile zu würfeln. Danach folgt die Wertung. Buchstaben zählen Punkte, Bonusfelder bringen zusätzliche Zähler und am Ende der dritten Runde gewinnt, wer insgesamt am meisten gesammelt hat.

Was „Wordsmith“ besonders macht, ist die Mischung aus Hektik, Kreativität und haptischem Spielgefühl. Die transparenten Teile wirken zunächst abstrakt, doch sobald man beginnt, sie zu kombinieren, entsteht ein faszinierender Flow. Man denkt nicht mehr in Buchstaben, sondern in Formen. Man sieht plötzlich, dass ein „E“ nur ein „F“ mit einem zusätzlichen Strich ist, oder dass ein „O“ aus denselben Teilen besteht wie ein „C“, nur eben geschlossen. Dieses Umdenken macht das Spiel nicht nur zu einem Wortspiel, sondern zu einem kleinen, cleveren Baukasten für Sprache.

Auch die Varianten sorgen für Abwechslung. „Schnelles Schmieden“ verzichtet auf das Rufen und Buchstabieren und verlagert die Kontrolle auf die Wertung am Rundenende. Die Variante „Benötigte Buchstaben“ zwingt die Spieler, bestimmte Buchstaben in ihren Wörtern zu verwenden – ein zusätzlicher Kniff, der das Bauen noch herausfordernder macht.

Unterm Strich ist „Wordsmith“ ein ungewöhnliches, charmantes und überraschend taktisches Wortspiel, das sich deutlich von klassischen Vertretern des Genres abhebt. Es fordert Kreativität, räumliches Denken und ein gutes Gespür für Sprache. Und es belohnt Spieler, die bereit sind, sich auf die eigenwillige Logik der Buchstabenteile einzulassen. Wer Freude daran hat, Wörter nicht nur zu finden, sondern zu formen, wird hier eine kleine Perle entdecken.

[Note lt. Kompetenz-Team]
5 von 6 Punkten.
{gespielt von Babsi, Roswitha, Pascal}

[Links]
BGG: https://www.boardgamegeek.com/boardgame/274296/wordsmith
HP: n/a
Ausgepackt: n/a

[Galerie: 26 Fotos]

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