Mercurius

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Mercurius

Beitrag von MrSkull » 12.01.2014 17:57

Ein tolles Börsenspiel für 3-5 Spieler ab 10 Jahren.

Die Spieler übernehmen die Rolle wohlhabender holländischer Bürger im 17. Jahrhundert, die mit der East India Company in Übersee handeln. Es gilt dabei Waren und Firmenanteile geschickt an der Börse Amsterdams zu handeln, um am Ende als reichtster Spieler zu gewinnen.


Spielablauf:
Der Börsenmarkt-Spielplan kommt in die Tischmitte und wird mit den je 6 Firmen- und Waren-Markern, entsprechend der Spielerzahl (Bsp. 3 Spieler = je 5 Marker pro Ware und Firma) bestückt und auf die "Bank"positionen gestapelt. Die Wertmarker für die Firmenanteile werden auf der Börse auf 10 Gulden und für die Waren auf 15 Gulden zu Spielbeginn eingestellt. Der Kartenstapel der Preisänderungskarten wird gut gemischt und mit den Dividenmarker und den Münzen (als Bankvorrat) neben dem Spielplan bereitgelegt - 12 Karten werden allerdings vom Kartenstapel gezogen und als Ersatzkartenstapel für später abseits gelegt.
Die Spieler erhalten jeder eine Spielertafel und 3 Sonderkarten nach Farbwunsch sowie 70 Gulden Startkapital und 5 Karten vom Stapel der Preisänderungskarten.
Startspieler ist, wer zuletzt eine Börsentransaktion durchgeführt hat^^.

Der aktive Spieler kann immer bis zu 3 Finanzaktionen durchführen, eine Karte ausspielen, den Börsenmarkt entsprechend anpassen und abschließend eine Karte nachziehen.

Die Finanzaktionen:
Es darf bis zu 3mal eine Ware und/oder ein Firmenanteil gekauft ODER verkauft werden.
Bei einem Kauf kostet 1 Ware/Firmenanteil den angezeigten Preis, werden 2 vom selben gekauft kostet es den angezeigten Preis +1 pro Kauf, bei 3 Käufen kostet es den angezeigten Preis +2 pro Kauf.
Bsp.: Porzelan steht aktuell bei 19 Gulden und der Spieler möchte 2 Stück kaufen, d.h. er muss 2x 20 Gulden bezahlen!
Bei einem Verkauf gilt es genau andersherum, 1 Ware/Firmenanteil bringt den angezeigten Preis, 2 Verkäufe desselben bringen den angezeigten Preis -1 pro Verkauf und bei 3 Verkäufen, dito -2 pro Verkauf.
Bsp.: Amsterdam-Firmenanteile stehen bei 13, 3 Verkäufe würden demnach 3x11 Gulden einbringen.

Möchte der Spieler keine solche Transaktion durchführen, kann er darauf verzichten und stattdessen eine der beiden hier gültigen Sonderkarten einsetzen: "Dividende" oder "Schwarzmarkt".

Die Dividenden-Karte bringt sofort Einnahmen. Dazu wählt der Spieler eine Firma aus, von der er Anteile besitzt und markiert die Firma mit einem Dividenenmarker auf ihrer "Bank"position, damit sich gemerkt werden kann, dass diese Firma schon einmal Dividenden ausgeschüttet hat. Der zu erhaltene Gewinn in Gulden wird von der Bank ausgezahlt und bemisst sich an der unteren Leiste des Börsenplans. Hier gibt es Felder, die sich über eine bestimmte Guldenspanne erstrecken und entsprechend eine zugehörige Guldenzahl für die Ausschüttung angeben.
Bsp.: die Position der Amsterdam-Firmenanteile liegt bei 13 Gulden und diese 13 Gulden liegen im Dividendenleistenbereich unten bei 4 Gulden (der 4 Guldenwert erstreckt sich von 10-14 Gulden oben). Somit würde der Spieler hier bei 3 Anteilen 3x4 Gulden als Dividende erhalten - aber auch jeder andere Spieler mit diesen Firmenanteilen bekommt entsprechend eine Ausschüttung ausbezahlt.

Die Schwarzmarkt-Karte erlaubt dem Spieler bis zu 3 Firmenanteile und/oder Waren auf ihr zu platzieren und in der nächsten Runde noch vor der ersten Aktion der Finanztransaktionen, die hinterlegten Marker zum aktuellen Preis ohne Abzüge zu verkaufen!

Beim Ausspielen einer der beiden Karten verfallen auf jeden Fall die Finanztranskationen dieser Runde.

Die 2. Aktion beinhaltet das Ausspielen einer Preisänderungskarte von der Hand.
Die Karte wird immer auf das äusserste linke Feld der Spielertafel abgelegt. Liegt hier schon eine Karte, rutscht diese und alle anderen um einen Platz nach rechts, sollte dabei die äusserste rechte Karte von der Tafel geschoben werden, kommt diese auf den Ablagestapel.
Zu Beginn liegt so natürlich erst eine Karte aus, aber nach und nach wird jede Karte immer für 3 Runden dort liegen und somit jedesmal den Markt (in der 3. Aktion) beeinflussen. Die Spieler können also so mit vorausschauen, wie sich die Kurse verhalten werden.
Auf den Karten sind neben einer hübschen Grafik im unteren Kartenbereich, immer oben links und rechts zwei +/- Werte angegeben. Links oben für die Firmenanteile und rechts oben für die Ware. (Bsp. +1 Amsterdam und -2 Seide). Es werden also mit einer Karte immer 2 Werte der Börse verändert.

Dies bringt uns zur 3. Aktion. Nach dem Ausspielen einer Presänderungskarte wird direkt die Börse angepasst. Und zwar immer von links nach rechts der auf der Spielertafel ausliegenden Karten.
Bsp.: es liegen drei Karten aus, Amsterdam/Seide +1/-2 , Delft/Porzelan +1/-2 , Middelburg/Tee -1/+2. Entsprechend werden die zugehörigen Wertemarker auf dem Börsenplan versetzt: der Marker der Amsterdam-Fimenanteile rutscht ein Feld nach rechts und ist nun 1 Gulden mehr wert, die Seidenwaren dagegen rutschen um 2 Felder nach links und sind nun 2 Gulden weniger wert. Usw.

Möchte der Spieler keine Preisänderungskarte ausspielen, darf er EINMAL im Spiel stattdessen die dritte Sonderkarte "Neuigkeiten" ausspielen.
Diese wird mit der Rückseite nach oben auf die Spielertafel anstelle einer Preisänderungskarte gelegt. An ihrer Position wird also keine Änderung an der Börse durchgeführt. Zusätzlich darf der Spieler bis zu 3 Karten abwerfen und nachziehen. Wobei die erste neue Karte vom Hauptnachziehstapel gezogen werden muss und die evtl. 2. und 3. vom Ersatznachziehstapel!
Rutscht die Karte durch nachgelegte Karten von der Spielertafel, kommt sie aus dem Spiel.

Wurden die Anpassungen alle vollzogen, folgt die 4. und abschliessende Aktion, der aktive Spieler zieht eine Preisänderungskarte nach.
Sein Zug ist beendet, es folgt der nächste Spieler im Uhrzeigersinn.

Das Spiel endet, sobald der Hauptnachziehstapel aufgebraucht ist. Dann darf jeder noch 2 Züge durchführen, so dass am Ende jeder nur noch 3 Karten auf der Hand hat, bevor der Reichtum eines jeden Spielers gezählt wird, um den Sieger zu ermitteln.


Fazit:
Mercurius ist ein toll gestaltetes und gut durchdachtes Finanzspiel. Die Börsenabläufe funktionieren und machen die Spielrunden keineswegs trocken oder langweilig. Die Spieler sitzen gebannt an der Wertetafel und verfolgen die Aktionen der Mitspieler, um zu ersehen, wie sich alles entwickeln wird. Und so ist auch die Spieldauer mit guten 70min. sehr schnell rum. Das macht Lust auf mehr!
Am besten funktioniert das Spiel ab 4 Spielern, damit sich auch ordentlich was tut in der Börse, sonst könnte es ein paar Runden dauern, bis die richtig hitzige Finanz-Action^^ losgeht.
Glücksmomente gibt es nur beim Kartennachziehen, aber dies ist nicht so schlimm, da eigentlich immer genug alternative Auswahl vorhanden ist und zudem noch die Sonderkarten helfen können.
Taktisch wird es, will man lange vorausplanen und die Kartenauslage aller Spieler im Auge behalten und so die kommenden Kurse vorausberechnen. Das kann sich aber durchaus lohnen, um lecker Gulden anzuhäufen, auch wenn es ein wenig Hirnverzwirbelung erfordert^^.
Herrlich auch mit anzusehen, wenn die Kurse bestimmter Waren z.B. komplett einstürzen und die Zornesfalten auf der Stirn der Haupteigner immer dicker werden - Schadenfreude pur!
Der Spielablauf geht locker leicht von der Hand, die realen komplizierten Verknüpfungen und Wirrungen wurden hier wunderbar umschifft, ohne dass logische Brüche bei den Transaktionen entstünden.
Als Familienspiel geht es von der Thematik her vllt. nicht durch, aber auf jeden Fall ist es ein Spiel für Gelegenheits- und Vielspieler gleichermaßen.



[Wir danken Rebel.pl für das Testexemplar!]

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