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„Spektakulär“ – Fazit

Review-Fazit zu „Spektakulär“, einem tierisch hübschen Legespiel.

[Infos]
für: 1-6 Spieler
ab: 10 Jahren
ca.-Spielzeit: 20-30min.
Autoren: Eilif Svensson und Åsmund Svensson
Illustration: Gjermund Bohne
Verlag: Strohmann Games
Anleitung: deutsch
Material: sprachneutral

[Download: Anleitung/Übersichten]
engl., frz., span., holl.: https://boardgamegeek.com/boardgame/415147/spectacular/files
dt.: https://www.strohmann-games.de/spiele/jahrgang-2025/spektakulaer/ (s. u.)

[Fazit]
Es gibt Spiele, die wollen unterhalten. Und dann gibt es „Spektakulär“, das so tut, als würde es nur unterhalten wollen, während es in Wahrheit längst begonnen hat, die Spieler in ein ökologisches Dilemma zu verwickeln, das selbst ein erfahrener Tierparkleiter ins Schwitzen bringen würde. Kaum liegt das Spiel auf dem Tisch, hört man förmlich das Rascheln der Blätter im Regenwald, das Knirschen des Schnees im Hochgebirge und das leise Schmatzen eines Pangolins, das sich gerade über seine Abendration hermacht. Und mittendrin die Spieler – mit einem Park, der noch leer ist, aber schon jetzt nach Verantwortung ruft.

Der Einstieg beginnt überraschend sanft. Jeder erhält ein eigenes Parktableau, auf dem bereits das persönliche Supertier wartet – ein Tier, das so ikonisch ist, dass es sich weigert, mit weniger als einer gewürfelten Sechs gefüttert zu werden. Die Anleitung beschreibt dieses Tier-Feld als „Publikumsmagnet“, und es ist tatsächlich der kleine Stolz des Parks (jedes Parktableau verfügt dabei über ein anderes publikumanziehendes Tier). Da gibt es z.B. den Saola, das scheue „Asiatische Einhorn“. Man könnte schwören, dass es einen vorwurfsvoll angesieht, wenn man ihm nur eine Fünf anbieten könnte. „Mach’s besser“, scheint es zu sagen^^.

Der Spielablauf ist denkbar elegant. In jeder Runde wählt man gleichzeitig mit allen anderen genau zwei Dinge – ein Tierplättchen oder einen Würfel vom gemeinsamen Auslagetableau (bei jedem liegt ein solches vor, welches dann rundenweise herumwandert) und ein weiteres Element aus der persönlichen Auslage. Diese beiden Dinge landen in der „Vorbereitung“ (zwei Reservierungsfelder) und anschließend baut man sie in seinen Park ein.
Das klingt simpel, doch die Entscheidungen sind so verzwickt wie die Wanderwege eines Schneeleoparden. Nimmt man das neue Tier, das perfekt in die Savanne passen würde? Oder doch lieber den Würfel, der genau die richtige Zahl hat, um die Zuchtstation (verlangt ausschließlich 1er- und 2er- Würfel) zu aktivieren? Die Anleitung bringt es auf den Punkt: „Du wirst ständig entscheiden müssen, ob du neue Tiere willkommen heißt oder die Tiere fütterst, die du bereits hast.“. Und genau so fühlt es sich auch an.

Beim Platzieren der Tierplättchen entsteht nach und nach ein Mosaik aus Lebensräumen. Wasser, Wald, Gebirge und Savanne. Jedes Tier bringt ein Stück seines natürlichen Umfelds mit und manchmal entstehen dabei kleine Geschichten. In einer Partie gab es einen Pinguin, der sich hartnäckig weigerte, neben einem Krokodil zu wohnen. Dies spielt grundmechanisch keine große Rolle – aber erzählerisch war es ein Punkte-Fest (jeder erhält zu Beginn 3 Zielkarten, die bestimmte Bedingungen für viele extra Punkte vorgeben, z.B. eben, dass Tier X nicht neben Tier Y liegen darf). Und in der selben Partie kamen irgendwann die passenden Würfel, um die Zuchtstation im Wassergebiet zu aktivieren und das fühlte sich dann an, als würde der Pinguin zufrieden nicken: „Endlich denkt hier mal jemand an Nachwuchs.“^^.

Die Würfel selbst sind das Herzstück des Spiels. Sie stehen für Futter, Pflege, Energie – und manchmal schlicht für Glück. Niedrige Werte dürfen nur auf Zuchtstationen gelegt werden, hohe Werte bringen viele Punkte, aber nur, wenn sie an einem fertigen Wachturm liegen. Diese Wachtürme entstehen, wenn drei passende Turmteile auf benachbarten Plättchen zusammengefügt werden (gedrittelte Kreisformen in drei Farben auf manchen Tierplättchen). Damit diese Türme aber am Ende zählen, müssen sie zudem auch mit (hohen) Würfeln umgeben sein.

Das Spiel endet nach zwei Runden und dann wird abgerechnet. Die Anleitung beschreibt die Wertung ausführlich. Es gibt Punkte für die Würfel am Parkeingang (schon nach der ersten Runde), Punkte für jedes Habitat, multipliziert durch die Anzahl der Würfel auf Zuchtstationen(!), Punkte für Wachtürme und schließlich Punkte für die Vielfalt der Tiere. Und hier zeigt sich die wahre Kunst von Spektakulär, es belohnt nicht nur Spezialisierung, sondern auch Mut zur Vielfalt. Wer viele verschiedene Tiere beherbergt, erhält einen ordentlichen Bonus – und manchmal ist es genau dieses eine unerwartete Tier aus der Auslage, das die entscheidenden Punkte bringt. Dies ist natürlich auch dezent glücksabhängig, auch wenn man die Auslagetableaus der Mitspieler sieht und daher wissen kann, was auf einen gleich zukommt.

Mechanisch ist Spektakulär ein Puzzle aus Timing, Planung und sanfter Interaktion. Thematisch ist es ein liebevoll gestalteter Spaziergang durch bedrohte Lebensräume. Und emotional ist es ein Spiel, das einen immer wieder schmunzeln lässt, wenn man sich vorstellt, wie die Tiere miteinander auskommen. Die Regeln sind klar strukturiert, die Runden fließen angenehm und die Entscheidungen sind stets bedeutungsvoll, ohne zu überfordern. Besonders schön ist, dass das Spiel trotz seiner taktischen Tiefe nie trocken wirkt – dafür sorgen die Tiere und die ständige Frage: „Wen nehme ich diesmal in meinen Park auf?“.

„Spektakulär“ ist ein Spiel, das seinem Namen gerecht wird – allein durch die spektakuläre Tiervielfalt. Nicht laut, nicht bombastisch, sondern leise, klug und voller Herz.

[Note lt. Kompetenz-Team]
5 von 6 Punkten.
{gespielt von Babsi, Roswitha, Pascal}

[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/415147/spectacular
HP: https://www.strohmann-games.de/spiele/jahrgang-2025/spektakulaer/
Ausgepackt: n/a

[Galerie: 15 Fotos]

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