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„Chaosmos“ – Fazit

Review-Fazit zu „Chaosmos“, einem spannenden „Katz&Maus“-Spiel im All.

[Infos]
für: 2-4 Spieler
ab: 12 Jahren
ca.-Spielzeit: 60-90min.
Autor: Joey Vigour
Illustration: William Tombs
Verlag: Mirror Box Games
Anleitung: englisch
Material: englisch

[Download: Anleitung/Übersichten]
dt., engl., ital., frz., jap., ung., port., holl.: https://boardgamegeek.com/boardgame/142830/chaosmos/files
engl.: https://mirrorboxgames.com/chaosmos/ (s. u.)

[Fazit]
„Chaosmos“ ist eines dieser seltenen Spiele, die sich nicht einfach in eine Schublade stecken lassen. Es ist kein klassisches Deduktionsspiel, kein gewöhnliches Abenteuerspiel und auch kein typisches Kampfspiel – und doch vereint es Elemente aus all diesen Bereichen zu einem faszinierenden, hochpsychologischen Wettstreit. Im Zentrum steht ein simples, aber enorm spannungsgeladenes Ziel. Wenn die „Chaos‑Uhr“ auf Null fällt, musst du die „Ovoid“‑Karte in deiner Hand halten. Alles, was im Spiel passiert, dreht sich um diesen einen Moment.

„Chaosmos“ spielt in einem sterbenden Universum, dem sogenannten Biocosm. Jede Spezies entsendet einen einzelnen Agenten, um das legendäre Artefakt – das „Ovoid“ – zu finden und zu kontrollieren. Die Hintergrundgeschichte ist überraschend reichhaltig. Jede Alienrasse hat ihre eigene Kultur, ihre eigenen Motive und sogar ihre eigene toxische Welt, die sie nur mit spezieller Ausrüstung betreten oder dort kämpfen kann. Das Spielbrett zeigt ein Netzwerk aus Planeten, Sternen und Wurmlöchern, durch das die Spieler reisen, um Ausrüstung zu sammeln, Kämpfe zu führen und vor allem, um Informationen zu verbergen.

Das Thema ist nicht nur Kulisse, sondern durchdringt das gesamte Spielgefühl. „Chaosmos“ lebt von Paranoia, Täuschung und dem Gefühl, dass jeder Zug entscheidend sein könnte. Wer das „Ovoid“ besitzt, ist mächtig – aber auch verletzlich. Wer es nicht besitzt, muss herausfinden, wo es steckt, ohne seine eigenen Absichten zu offenbaren.

Der Kern von Chaosmos ist erstaunlich einfach. Jeder Spieler hat drei Aktionen pro Zug, die er frei kombinieren kann. Die wichtigsten Aktionen sind dabei „Bewegen“ (von Planet zu Stern, von Stern zu Planet oder durch Wurmlöcher), „Planeten kontrollieren“ (dadurch erhält man Zugriff auf das jeweilige „Planet‑Envelope“ – ein Umschlag voller Ausrüstungskarten), „Kämpfen“ (um Karten zu stehlen oder Gegner zu verbannen) und „Karten spielen“ (Waffen, Verteidigungen, Tools oder Spezialeffekte).

Jeder Planet besitzt einen Umschlag, in dem Ausrüstungskarten liegen. Wer einen Planeten kontrolliert, darf den Umschlag öffnen und Karten zwischen Hand und Umschlag austauschen. Das ist der zentrale Mechanismus des Spiels – denn hier wird das „Ovoid“ versteckt, gefunden, getauscht, verschoben oder getarnt.

Da es kein Nachziehdeck gibt, ist jede Karte im Spiel von Anfang an irgendwo vorhanden. Das macht „Chaosmos“ zu einem Spiel der Informationsökonomie. Wer weiß was? Wer hat welche Karte gesehen? Wer hat welche Karte wohin gelegt?

Kämpfe laufen über zwei Würfel pro Spieler, die einen Grundwert liefern. Danach spielen beide Seiten Waffen‑ und Verteidigungskarten, bis jemand passt. Der Sieger darf entweder „Spoils nehmen“ (eine Karte aus der gegnerischen Hand stehlen) oder „Verbannen“ (den Gegner auf einen beliebigen Planeten schicken).
Kämpfe sind selten lang, aber oft entscheidend – besonders wenn man vermutet, dass der Gegner das „Ovoid“ trägt.

Jeder Spieler startet mit drei „Hypertokens“, die für mächtige Effekte genutzt werden können. Als sofortige Reise zu jedem beliebigen Ort oder als Verstärkung im Kampf oder zur Aktivierung spezieller Alienfähigkeiten.
Sie sind begrenzt und extrem wertvoll, weshalb ihr Einsatz immer ein Risiko‑Nutzen‑Abwägen darstellt.

Am Ende jedes Zuges tickt die „Chaos‑Uhr“ um eins herunter. Wenn sie Null erreicht, endet das Spiel sofort. Dieses Element erzeugt eine stetige, wachsende Spannung. Je näher das Ende rückt, desto hektischer werden die Züge, desto häufiger kommt es zu Kämpfen und desto wichtiger wird die Frage, wer hat das „Ovoid“ wirklich?

Eine Partie Chaosmos beginnt ruhig. Die Spieler erkunden Planeten, sammeln Ausrüstung und versuchen, ein Gefühl für die Bewegungen der anderen zu bekommen. Doch schon früh entsteht ein Geflecht aus Vermutungen, Täuschungen und taktischen Manövern.
Ein Spieler kontrolliert immer wieder den selben Planeten – versteckt er dort etwas?
Zwei Spieler bekämpfen sich mehrfach – geht es um das „Ovoid“?
Jemand reist auffällig oft durch Wurmlöcher – Flucht oder Ablenkung?
Ein Spieler hält sich zurück – hat er das „Ovoid“ längst und wartet nur ab?

Der Mittelteil des Spiels ist geprägt von Bluff und Gegenbluff. Manchmal lohnt es sich, das „Ovoid“ bewusst auf einem Planeten zu verstecken, um Gegner in die Irre zu führen. Manchmal trägt man es offen in der Hand und hofft, dass niemand den Mut hat, einen anzugreifen. Und manchmal versucht man, das „Ovoid“ kurz vor Schluss heimlich zu tauschen, um den finalen Zugriff zu sichern.

Der Endgame‑Moment ist oft spektakulär. Kämpfe eskalieren, Hypertokens werden verbrannt, und jeder Zug könnte der entscheidende sein. „Chaosmos“ endet fast immer mit einem dramatischen Showdown.

Chaosmos ist kein Spiel über Ressourcen oder Punkte. Es ist ein Spiel über Wissen, Täuschung und Timing. Der Wettbewerb entsteht nicht durch Optimierung, sondern durch Psychologie. Man muss seine Gegner lesen; man muss falsche Fährten legen; man muss entscheiden, wann man etwas riskiert und wann man besser abwartet; man muss erkennen, wann jemand blufft – und wann nicht.
Das macht „Chaosmos“ zu einem der wenigen Spiele, die sich fast wie ein Science‑Fiction‑Thriller anfühlen. Jeder Spieler ist ein Agent mit eigener Agenda, und das „Ovoid“ ist der MacGuffin, der alles antreibt.

„Chaosmos“ ist ein Spiel für Gruppen, die psychologische Spannung lieben. Es belohnt Beobachtungsgabe, Mut und strategisches Denken. Die Regeln sind klar, aber das Spielgefühl ist komplex und voller Überraschungen. Besonders stark ist Chaosmos in Runden, die gerne bluffen, verhandeln, täuschen und sich gegenseitig ausspielen.

Wer ein Spiel sucht (vorzugsweise für größere Runden), das eine dichte Atmosphäre bietet, ein einzigartiges Versteck‑und‑Such‑System nutzt, starke Interaktion und Konflikte erzeugt und in jeder Partie eine neue Geschichte erzählt, der findet in Chaosmos eine lohnende Anschaffung.

[Note]
[Note lt. Kompetenz-Team]
4.5 von 6 Punkten.
{gespielt von X, Pascal}

[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/142830/chaosmos
HP: https://mirrorboxgames.com/chaosmos/
Ausgepackt: https://www.heimspiele.info/?p=17668

[Galerie: 18 Fotos]

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