Die Glasstraße

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Die Glasstraße

Beitrag von MrSkull » 26.08.2014 10:05

Optimierungsspiel für 1-4 Spieler ab 12 Jahren von Uwe Rosenberg.

Auf dem geschichtlichen Hintergrund der 250km langen Route im bayerischen Wald des 16. - 19. Jahrhunderts müssen die Spieler mit Hilfe ihrer Arbeiterkarten und dem geschickten Verwalten von Rohstoffen und Landschaften die Bauphasen des Spiels punkteträchtig meistern, um am Ende zu gewinnen und lernen so nebenbei die müheseligen Produktionsabläufe der Glas- und Ziegelherstellung von denen ein gutes Drittel der Bewohner seinerzeit abhängig waren.


Spielvorbereitung:
Jeder Spieler erhält einen Landschaftsplan, der auf den vorgezeichneten Feldern noch mit Landschaftsplättchen (Mulden, Gehölze, Teiche und Wälder) belegt wird, sowie ein Produktionstableau, mit dem wichtigen Glashütten- und Ziegeleirad, auf welches noch die vorgegebenen Warenmarker (Glas, Holz, Wasser, Quarzsand, Holzkohle, Nahrung, Lehm, Ziegel) gelegt werden. Zuletzt erhält noch jeder einen Kartensatz Arbeiter (je 15 Personenkarten). Der zufällig gewählte Startspieler erhält den Startspieler(papp)kelch.

In die Tischmitte kommt die Gebäudetafel mit den drei Gebäudeplättchensorten (Gebäude zur Umwandlung von Rohstoffen [blau], Gebäude mit Sofort-Effekten [gelb] und Punkte-Gebäude [rot]) zur Linken als verdeckte Stapel, von denen noch je nach Spielerzahl 4-5 pro Reihe aufgedeckt abgelegt werden.


Spielziel:
Die meisten Siegpunkte durch Gebäudebau zu erlangen!


Spielablauf:
Das Spiel wird über 4 Bauphasen gespielt, welche jeweils in drei Kartenrunden ausgetragen werden.
Vor Beginn jeder Bauphase suchen sich die Spieler aus ihren 15 Arbeiterkarten fünf aus, die sie nutzen möchten, die restlichen zehn Karten werden beiseite gelegt.

Der Startspieler beginnt mit dem verdeckten Auslegen einer Karte, die anderen Spieler folgen im Uhrzeigersinn. Haben alle Spieler eine Karte ausgelegt, beginnt wieder der Startspieler mit dem Aufdecken seiner Karte, welche auch direkt ausgeführt wird.

Die Personenkarten sind alle gleich aufgebaut: Name, Bild, evtl. Kosten (links) und die beiden möglichen Aktionen, die entweder einzeln oder beide genutzt werden können.

Wichtig für das Ausspielen der Karten: wird eine Karte aufgedeckt, die ein Mitspieler noch auf der Hand(!) hat, so muss er diese ebenfalls auslegen und zwar an eine der beiden Aussparungen an der rechten Seite des Hofplans! Sind diese beiden Plätze belegt, darf er die gleiche Personenkarte allerdings nicht ausspielen!
Hat ein Spieler dieselbe Karte verdeckt ausgelegt, ist diese "geschützt" und bleibt verdeckt liegen, bis der Spieler am Zug ist - dies kann durchaus Vorteile haben, da die Mitspieler sich die Karte evtl. "teilen" müssen und hiernach keiner mehr die Karte auf der Hand hat und der Spieler so beide Aktionen sicher nutzen kann!

Der aktive Spieler nutzt nun die Aktion(en) seiner aufgedeckten Karte - eventuell muss er diese vorher noch bezahlen. Zum Beispiel spielt er den "Köhler" und muss hierfür erst ein Holz "bezahlen", dazu bewegt er den Holzmarker auf einem der beiden Produktionsräder entsprechend um ein Feld zurück. Danach darf er einen Marker für die Holzkohle um drei Felder vorziehen - dies evtl. zweimal, wenn er der alleinige Spieler dieser Karte ist.
Anschliessend folgt der nächste Spieler, der diese Karte gezwungenermaßen auslegen musste und führt sie einmalig aus.

Wurde die Karte des aktiven Spielers schliesslich komplett abgehandelt, folgt der nächste Spieler im Uhrzeigersinn mit dem Aufdecken seiner Karte, usw. bis jeder Spieler an der Reihe war.
Hiernach beginnt wieder der aktuelle Startspieler mit dem verdeckten Auslegen der zweiten Karte und nach dieser Runde legt er die dritte Karte aus. Danach endet die Bauphase und eine Neue beginnt, der Startspielerkelch wandert nach links und das Kartenprozedere beginnt erneut.

Bei den Arbeiterkarten ist eine variantenreiche Auswahl vorhanden, so gibt es da, wie oben erwähnt, Helfer, die für Rohstoffnachschub sorgen, Arbeiter, die Rohstoffe wandeln können und auch Konstrukteure. Letztere erlauben das Bauen oder Verbessern von Gebäuden.
Hierzu wird entsprechend Platz auf dem Spielereigenen Landschaftsplan benötigt - diesen erlangt man z.B. durch Roden der Wälder - und die nötigen Rohstoffe zum Bau.

Die ausliegenden Gebäudekarten stehen hierfür zur Verfügung und sie weisen auch allesamt den gleichen Aufbau auf: Name und Bild, linksseitig die Baukosten (auf hölzernem Hintergrund für eine Neuerrichtung, auf steinernem Hintergrund für eine Aufwertung eines vorhandenen Gebäudes), rechts die Siegpunktzahl und unten mittig die Funktionangabe des Gebäudes, Bsp. "Küferei": 1 Holz in 2 Wasser wandeln.

Auch hier gilt es die Abgänge oder Zuwächse der Rohstoffe auf dem Produktionstableau mit Hilfe der Räder festzuhalten.

Hinweis: wichtig bei den Produkionsrädern ist, dass die Zeiger immer(!) in Pfeilrichtung gedreht werden müssen, sobald die beiden(!) braun hinterlegten Zahlenfelder (0 und 3) leer sind, also kein Warenmarker dort liegt. Hierdurch wird angegeben, dass durch den Verbrauch von Rohstoffen nicht nur Handel und Bau betrieben wurde, sondern vor allem auch, dass durch den Einsatz von den Basisrohstoffen (Holz, Wasser, Nahrung, Holzkohle, Quarzsand, Lehm) die wertvollen Ressourcen Glas und Ziegel erstellt wurden bzw. zur Verfügung stehen - diese Warenmarker liegen daher auch links der Zeiger.

Am Ende der jeweiligen Bauphase werden die evtl. Lücken auf der Gebäudetafel von den zugehörigen Nachziehstapeln wieder aufgefüllt.


Spielende:
Nach Beendigung der vierten Bauphase endet das Spiel. Nun rechnen die Spieler ihre Punkte zusammen (die meisten Gebäude geben feste Punkte vor, einige geben jedoch zum Ende variable Punkte, je nach Erfüllung vorgegebener Bedingungen) und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.


Varianten:
2er-Spiel: die Regeln bleiben weitesgehend gleich, nur dass in den Bauphasen keine Karten verdeckt, sondern abwechselnd immer direkt offen ausgelegt werden.

Solo-Spiel: hier wird versucht innert sieben Bauphasen möglichst viele Punkte zu erreichen. Dabei wird per Tabelle vorgegeben, wieviele Personenkarten man sich pro Bauphase aussuchen und nutzen darf. Diese werden dann gemischt und zufällig verdeckt nach und nach gezogen und jeweils immer nur mit 1 Aktion genutzt. Die vorletzte Karte darf dann beide Aktionen zur Geltung bringen und die letzte Karte bleibt aussen vor. Hiernach werden diese Karten beiseite gelegt und aus den restlichen Karten werden die Nächsten herausgesucht. Und so weiter, wobei jedes zweite Mal, die zuvor beiseite gelegten Karten wieder zur Auswahl hinzugefügt werden.


Fazit:
Die Glasstraße ist ein ziemlich geniales und dazu leicht eingängiges Bau- und Optimierungsspiel. Das reichhaltige Spielmaterial ist sehr wertig und thematisch hübsch anzusehen und die Anleitung sehr strukturiert und verständlich verfasst.

Die Spielrunden verliefen nach Erklärung der zwar simplen, aber fordernden Phasen, allesamt sehr motivierend und bei unterschiedlicher Besetzung gleich abwechslungsreich und kurzweilig. Die angegebene Spielzeit von ca. 90min. wurde problemlos eingehalten.

Herrn Rosenberg ist hier wieder ein Pflichtkauf gelungen, so denn man die Mechaniken seiner Spiele mag - es soll da ja noch so ein, zwei Spieler geben, die sich nicht überzeugen lassen :). Uns jedenfalls hat auch dieses Spiel wieder gänzlich gut gefallen und es ist zudem auch ein Spiel geworden, das etwas massentauglicher, da leichter zugänglich, als so Klassiker wie Agricola, ist.
Man darf die Glasstraße gerne als Familienspiel- wie auch Vielspieler-Spiel betrachten.
Der Kniff mit den Produktionsrädern ist ein hilfreicher wie auch trickiger Coup, den man im Spiel nicht mehr missen mag, ergibt sich doch so nicht nur ein gute Übersicht, sondern vor allem auch eine Spielmechanik, wie sie immer noch zu selten bei taktischen Optimierungsspielen eingesetzt wird - die einfache Logik dahinter ist eben überzeugend und spielerisch sehr wertvoll.

Die Einsatzmöglichkeiten der Arbeiterkarten sind vielfältig und die vorhandenen Gebäudearten abwechslungsreich und immer thematisch passend. Das Gemeine hierbei ist nur, wie so oft bei Optimierungsprozessen, dass man immer viel mehr machen möchte, als die Phasen- und Rundenzahl zuläßt. Dadurch wird das Spiel aber auch gerne immer wieder hervorgeholt, denn da gilt es ja immer noch was anderes auszuprobieren.

Die Interaktion ist im Spiel nicht nur durch das zwangsläufige Beobachten und Einschätzen der Mitspieler gegeben, sondern vor allem durch die Kartenphasen, bei denen man gut beraten ist, vorausschauend zu planen und zu handeln, um auch in den Genuss der nötigen Aktionen zu kommen und diese nicht teilen zu müssen.

Sehr schön ist auch, dass die Spielmechanik bei jeder Besetzungszahl gut funktioniert, so ist auch die Solitärvariante durchaus reizvoll.

Kurzum, hier liegt ein empfehlenswertes Spiel vor, wie nicht anders zu erwarten bei dem Autor^^!


weiterführende Hinweise:
- Verlag: Feuerland Spiele
- BGG-Eintrag: http://www.boardgamegeek.com/boardgame/ ... glass-road
- HP: http://www.feuerland-spiele.de/spiele/d ... trasse.php
- Anleitung: deutsch
- Material: deutsch
- Fotos: HP/?p=6661

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