Heimspiele.info

„Camelotto“ – Fazit

Review-Fazit zu „Camelotto“, einem dezent satirischen Taktikspiel.

[Infos]
für: 2-4 Spieler
ab: – Jahren
ca.-Spielzeit: 40min.
Autor: Tom Harvey
Illustration: n/a
Verlag: Flying Carpet Games
Anleitung: deutsch, englisch
Material: sprachneutral

[Download: Anleitung/Übersichten]
n/a

[Fazit]
„Camelotto“ ist ein leichtes, taktisches Eurogame mit humorvoller Camelot‑Thematik, in dem Ritter als gepanzerte Kamele über ein modulares Spielfeld reisen, Artefakte und Charaktereigenschaften sammeln und auf ihrem persönlichen Tableau eine Engine aufbauen, die im (hoffentlich^^) richtigen Moment ausgelöst wird. Der Mix aus Puzzle‑Elementen und Engine‑Aktivierung erzeugt ein zugängliches, aber überraschend befriedigendes Spielerlebnis.

Das Spiel lehnt sich an die Artus‑Legende an, interpretiert sie aber mit einem deutlichen Augenzwinkern. Die Ritter sind Kamele^^ in Rüstung, die Orte sind ikonische Schauplätze wie Camelot, der See, der Wald, die Berge oder die Feenwelt. Die Gestaltung ist farbenfroh, verspielt und klar strukturiert.
Zentraler Blickfang ist der runde Tisch, der tatsächlich als eigene Spieltafel auf dem Tisch liegt und von Quest‑Plättchen umgeben ist. Jeder Spieler besitzt eine Spielertafel mit Ehrenleiste, Graal‑Leiste und Schatztruhe sowie eine Machttafel, auf der die Engine entsteht und zudem einen Rittermarker und in gewählter Farbe Würfelchen, die Eigenschaften darstellen.

Das Spiel verwendet zwei Stoffbeutel, einen in Rot für Eigenschaftsmarker und einen in Violett für magische Artefakte oder besondere Gegenstände. Diese Marker werden blind gezogen und anschließend auf der eigenen Machttafel platziert. Dazu kommen Quest‑Plättchen in verschiedenen Formen (tetris-like), die wie kleine Puzzles auf das Board gelegt werden.

Das Spiel läuft über zwölf Runden, die auf dem runden Tisch markiert werden. Währenddessen gilt es möglichst viele Punkte zu sammeln, nämlich durch erfüllte Quests, besuchte Orte, die Graalleiste und gesammeltes Gold.

Jeder Zug besteht aus einer verpflichtenden Ritteraktion. Der eigene Ritter muss auf einen freien Ort versetzt werden. Jeder Ort darf nur von einem Ritter gleichzeitig besetzt werden, was zu indirekter Interaktion führt.
Beim Betreten eines Ortes passiert immer Folgendes, der Ort wird auf der persönlichen Graal-Leiste markiert, sämtliches dort liegendes Gold wird eingesammelt und die Ortsaktion wird ausgeführt.
Jeder Ort hat eine klar definierte Funktion. In Camelot nimmt man sich ein Quest‑Plättchen für die Machttafel. In den Bergen gibt es Eigenschaftsmarker aus dem roten Beutel zu ziehen. In den Höhlen erhält man aus dem violetten Beutel Marker. Im Wald darf man die Marker auf der eigenen Machttafel neu arrangieren. Am See wird eine komplette Reihe oder Spalte der Machttafel aktiviert. In der Feenwelt gibt es magische Unterstützung, meist in Form von Boni oder Manipulation und bei der Oase erhält man Gold.
Die Aktivierung am See ist das Herzstück des Spiels. Hier lösen die gesammelten Marker (der Reihe/Spalte auf der Machttafel) meist eine Kettenreaktion aus, die mehrere Effekte hintereinander ausführt.

Für 5 Gold darf man beliebig oft eine zusätzliche Ortsaktion ausführen – ohne den Ritter zu bewegen. Das ermöglicht taktische Flexibilität und beschleunigt Engine‑Aufbau oder Quest‑Fortschritt.

Die Machttafel ist ein Raster, in das Marker und Quest‑Plättchen physisch hineingepuzzelt werden. Die Marker und Plättchen bestimmen durch ihre Position welche Effekte bei einer Aktivierung ausgelöst werden (Reihenfolge – Kettenreaktion).
Quest‑Plättchen haben bestimmte Felder, die mit passenden Eigenschaftsmarker gefüllt werden müssen. Eine so vollständig erfüllte Quest bringt 7 Punkte. Wer als erster alle sieben Orte besucht, erhält den Graal‑Marker – ein zusätzlicher Punktebonus.

„Camelotto“ kombiniert hiermit taktisches Planen (Engine‑Aufbau, Puzzle‑Platzierung), Glück (blindes Ziehen aus zwei Beuteln), indirekte Interaktion (Orte blockieren, Gold wegschnappen) und Timing (wann wird die Engine ausgelöst?).
Die Engine‑Aktivierung ist der Moment, in dem das Spiel glänzt. Eine gut vorbereitete Reihe oder Spalte kann mehrere Effekte hintereinander auslösen und fühlt sich wie ein kleiner Triumph an.

Das Spiel ist zugänglich, flott und strukturiert, ohne komplex zu werden. Die Interaktion bleibt moderat, da jeder hauptsächlich auf seinem eigenen Board puzzelt.
„Camelotto“ ist damit ein leichtes, charmantes Eurogame mit einer humorvollen Camelot‑Interpretation. Die Mischung aus Puzzle‑Platzierung und Engine‑Aktivierung sorgt für ein befriedigendes, aber nicht überforderndes Spielerlebnis. Die Regeln sind klar, die Spielzeit angenehm und die Variabilität durch Marker und Quest‑Plättchen hält jede Partie frisch.
Wer Freude an cleveren Kettenreaktionen, taktischem Puzzeln und einem thematischen Augenzwinkern hat, findet hier ein sehr gelungenes Spiel. Wer hingegen direkte Konfrontation oder vollständige Kontrolle über sein Engine‑Building erwartet, wird die Glückskomponente der Beutel stärker spüren.

[Note lt. Kompetenz-Team]
4.5 von 6 Punkten.
{gespielt von Chris, Pascal}

[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/470715/camelotto
HP: http://flyingcarpetgames.com/camelotto.php
Ausgepackt: n/a

[Galerie: 9 Fotos]

Schreibe einen Kommentar

Deutschlands einzige werbe- und kommerzfreie und völlig unabhängige Brett- und Kartenspiel-Community!