„Last Lemming“ – Fazit
Review-Fazit zu „Last Lemming“, einem nett vertrackten Stichspiel.

[Infos]
für: 3-6 Spieler
ab: 10 Jahren
ca.-Spielzeit: 40min.
Autor: Marco Teubner
Illustration: Cam Kendall
Verlag: Ravensburger
Anleitung: deutsch
Material: deutsch
[Download: Anleitung/Übersichten]
dt.: https://www.ravensburger.de/de-DE/produkte/spiele/gesellschaftsspiele-brettspiele/last-lemming-25029 (s.u.)
[Fazit]
„Last Lemming“ verwandelt ein klassisches Stichspiel in ein herrlich chaotisches Wettrennen zur Klippe. Statt möglichst viele Punkte über Kartenkombinationen zu sammeln, versuchen die kleinen Nager, sich eine optimale Position auf einem gefährlichen Pfad zu erarbeiten. Dabei entsteht ein ebenso taktisches wie schwarzhumoriges Kartenspiel, bei dem Erfolg und Scheitern oft nur wenige Schritte voneinander entfernt liegen.
Im Mittelpunkt steht ein ungewöhnlicher Kniff. Gewonnene Stiche sind nicht automatisch gut. Zwar bringen sie die eigenen Lemminge häufig näher an die Spitze des Feldes, doch wer zu weit nach vorne prescht, landet schnell über der Klippe. Genau dieser ständige Balanceakt macht den Reiz von Last Lemming aus. Jeder Zug muss abwägen, ob ein Stich gewonnen, verloren oder vielleicht sogar bewusst vermieden werden sollte.
Gespielt wird über vier Akte, die jeweils aus acht Stichen bestehen. Zu Beginn jedes Akts deckt die Runde eine Regelkarte auf, welche die Bewegungsregeln für diesen Abschnitt des Spiels bestimmt. Dadurch verändert sich das Spielgefühl immer wieder. In einem Akt profitieren hauptsächlich die Gewinner eines Stichs, in einem anderen werden bestimmte Kartenwerte, Farben oder sogar verlorene Stiche belohnt. Diese wechselnden Bedingungen sorgen dafür, dass keine Partie gleich verläuft und eingefahrene Strategien ständig neu überdacht werden müssen.
Der eigentliche Stichspielmechanismus bleibt dabei angenehm zugänglich. Eine ausgespielte Karte legt die Stichfarbe fest, die nach Möglichkeit bedient werden muss. Wer die höchste Zahl der angespielten Farbe auslegt, gewinnt normalerweise den Stich und eröffnet die nächste Runde. Eine Sonderrolle übernehmen die X-Karten. Sie besitzen weder Farbe noch Wert und können jederzeit gespielt werden. Dadurch ermöglichen sie das taktische Aussetzen und eröffnen zahlreiche Bluff- und Timingmöglichkeiten.
Nach jedem Stich werden die Lemminge entsprechend der aktuellen Regelkarte bewegt. Dabei entsteht das eigentliche Spektakel. Auf jedem Feld darf nur eine Figur stehen. Landet ein Lemming auf einem bereits besetzten Feld, schubst er seinen Konkurrenten weiter. Diese Schubser können Kettenreaktionen auslösen, bei denen mehrere Figuren nacheinander verschoben werden. Besonders gemein wird es nahe der Klippe oder an den gefährlichen Löchern der Strecke. Ein einziger Stoß kann genügen, um einen Mitspieler in die Tiefe zu befördern.
Wer über die Klippe hinausläuft oder in ein Loch fällt, stürzt ab, verliert einen Siegpunkt und muss sich wieder hinten in der Warteschlange einreihen. Dadurch bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten. Selbst ein komfortabler Vorsprung kann innerhalb weniger Züge verschwinden, während zurückliegende Lemminge plötzlich wieder Anschluss finden. Die Warteschlange spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle, da ihre Reihenfolge bestimmt, wer zukünftige Stiche eröffnet und somit zusätzlichen Einfluss auf den Spielverlauf erhält.
Am Ende jedes Akts werden Siegpunkte entsprechend der aktuellen Positionen auf der Strecke vergeben. Der führende Lemming erhält die höchste Belohnung, die nachfolgenden Plätze entsprechend weniger Punkte. Anschließend kehren alle Figuren zurück zur Warteschlange, behalten jedoch ihre Reihenfolge bei. Damit beeinflusst der Ausgang eines Akts direkt die Startbedingungen des nächsten.
Thematisch setzt Last Lemming voll auf humorvolle Übertreibung. Die Vorstellung einer Gruppe ehrgeiziger Lemminge, die sich gegenseitig Richtung Abgrund schubsen, passt überraschend gut zu den Mechanismen. Jeder Stich fühlt sich wie eine kleine Szene in einer absurden Komödie an. Schadenfreude, überraschende Wendungen und spektakuläre Abstürze gehören zum Alltag und sorgen regelmäßig für Gelächter am Tisch.
Besonders gelungen ist die Verbindung aus klassischem Stichspiel und Positionsrennen. Erfahrene Stichspiel-Fans finden zahlreiche taktische Entscheidungen, während Familien und Gelegenheitsspieler dank der einfachen Grundregeln schnell einsteigen können. Die wechselnden Regelkarten verleihen dem Spiel zudem eine hohe Varianz und sorgen dafür, dass jede Partie neue Herausforderungen bietet.
So entwickelt sich Last Lemming zu einem ungewöhnlichen Vertreter seines Genres. Ein Stichspiel, bei dem Gewinnen nicht immer die beste Idee ist, Niederlagen manchmal Gold wert sein können und ein kleiner Schubs zur richtigen Zeit über Sieg oder Absturz entscheidet. Das Ergebnis ist ein seichtes, aber turbulentes, humorvolles Wettrennen, das klassische Stichspielmechaniken auf erfrischende Weise neu interpretiert.
[Note lt. Kompetenz-Team]
.5 von
Punkten.
{gespielt von Babsi, Roswitha, Pascal}
[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/472329/last-lemming
HP: https://www.ravensburger.de/de-DE/produkte/spiele/gesellschaftsspiele-brettspiele/last-lemming-25029
Ausgepackt: n/a
[Galerie: 10 Fotos]




