„Origin Story“ – Fazit
Review-Fazit zu „Origin Story“, einem heldenhaften Stichspiel.
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[Infos]
für: 1-5 Spieler
ab: 14 Jahren
ca.-Spielzeit: 45min.
Autoren: Jamey Stegmaier und Pete Wissinger
Illustration: Clémentine Campardou
Verlag: Stonemaier Games
Anleitung: englisch
Material: englisch
[Download: Anleitung/Übersichten]
engl.: https://stonemaiergames.com/games/origin-story/rules-faq/
[Fazit]
Origin Story ist mehr als ein gewöhnliches Stichspiel. Es ist ein erzählerisches Engine‑Building‑Erlebnis, das klassische Kartenspielmechaniken mit dem Gefühl verbindet, Schritt für Schritt die eigene Superhelden‑(oder Superschurken‑)Legende zu erschaffen. Und genau darin liegt der besondere Reiz. Jede Partie fühlt sich wie eine persönliche Comic‑Story an, die sich über fünf Kapitel entfaltet.
Zu Beginn erhält jeder Spieler eine Charaktertafel – die Grundlage der eigenen Identität. Im Laufe der fünf Runden, die jeweils ein Kapitel der Entstehungsgeschichte darstellen, kommen vier Storykarten und schließlich eine Superheldenkarte hinzu. Diese Karten bilden den Hintergrund des Charakters. Diese zeigen nicht nur thematisch die Entwicklung des Charakters, sondern schalten auch spielmechanisch immer mehr Fähigkeiten frei. So beginnt jede Runde damit, dass man neue Storykarten zieht, eine davon auswählt und auf das eigene Tableau legt. Diese Karten können dann Fähigkeiten auslösen, Werte verändern oder sogar die Regeln des Stichspiels brechen – ganz so, wie man es von übernatürlichen Kräften erwarten würde^^.
Der Kern des Spiels ist ein klassisches Stichspiel mit vier Farben, hier grün (Gehirn), gelb (Liebe), blau (Geschwindigkeit) und rot (Stärke). Liebe fungiert dabei als Trumpf – ein charmantes Detail, das dem Spiel eine gewisse Ironie verleiht. Acht Stiche pro Runde, fünf Runden insgesamt. Doch bevor die Karten fliegen, lädt man seine Fähigkeiten mit Stamina auf, einer Art Energie, die man im Laufe der Partie sammelt. Nur geladene Fähigkeiten können genutzt werden und die Entscheidung, welche Kräfte man aktiviert, ist oft genauso spannend wie das eigentliche Ausspielen der Karten. Manche Fähigkeiten greifen vor einem Stich, andere während des eigenen Zuges, wieder andere erst am Ende einer Runde. Einige erlauben es, Karten zu manipulieren, Stiche umzulenken oder sogar die eigene Ausrichtung zu verändern.
Die Ausrichtung ist ein zentrales Element. In jeder Runde entscheidet man sich, ob man als Held oder als Schurke spielt. Helden wollen möglichst viele Stiche gewinnen, denn jeder Stich bringt einen Siegpunkt. Schurken hingegen versuchen, keinen einzigen Stich zu gewinnen – gelingt ihnen das, erhalten sie vier Punkte auf einen Schlag. Diese Entscheidung sorgt für eine herrliche Dynamik, denn sie beeinflusst nicht nur die eigene Strategie, sondern auch die Erwartungen der Mitspielenden. Ein Spieler, der plötzlich zum Schurken wird, kann die gesamte Runde auf den Kopf stellen. Festgelegt wird dies durch das entsprechende Umdrehen (gute Seite, böse Seite) der eigenen Punktetafel, die mit Drehscheiben versehen immer den aktuellen Stand beidseitig anzeigt.
Besonders spannend wird es in Runde drei, wenn ein zufälliges Ereignis ins Spiel kommt. Diese Ereigniskarten verändern die Regeln oder die Punkteverteilung und sorgen dafür, dass keine Partie der anderen gleicht. In Runde fünf schließlich enthüllt jeder seine Superheldenkarte – ein finaler, mächtiger Effekt, der das letzte Kapitel der eigenen Geschichte prägt und oft den entscheidenden Unterschied macht – zu Beginn erhält jeder zwei hiervon, lässt diese aber verdeckt bei sich liegen, mit der Spielübersichtsseite nach oben, um die Überraschung nicht zu verderben.
Thematisch funktioniert „Origin Story“ erstaunlich gut. Die Kombination aus Fähigkeiten, Storykarten und der finalen Superheldenidentität erzeugt tatsächlich das Gefühl, eine Figur wachsen zu sehen. Die Mechanik des Aufladens von Kräften passt wunderbar zum Genre und die Mischung aus Planung, Timing und überraschenden Wendungen spiegelt die Dramaturgie klassischer Comic‑Erzählungen wider. Gleichzeitig bleibt das Spiel zugänglich, da die Grundmechanik – ein Stichspiel – vertraut ist. Doch die vielen Sonderfähigkeiten sorgen dafür, dass jede Runde neue taktische Möglichkeiten eröffnet.
Auch zu zweit funktioniert das Spiel dank der Sidekick‑Regel überraschend gut. Die Sidekicks spielen mit offenen Karten und bringen eine zusätzliche Ebene der Planung ins Spiel, ohne sich wie ein künstlicher Gegner anzufühlen.
„Origin Story“ ist ein Spiel, das sowohl Fans von Stichspielen als auch Liebhaber thematischer Engine‑Builder anspricht. Insbesondere vor allem durch die schicken, comichaften Illustrationen. Ein thematischer Gag sind auch die Stamina-Marker in Form von Sprechblasen.
Es ist flott gespielt, aber voller Entscheidungen; leicht zu lernen, aber reich an überraschenden Momenten. Vor allem aber erzählt es eine Geschichte für jeden Spieler. Und wenn man am Ende der fünften Runde auf sein Tableau blickt, sieht man nicht nur Karten, sondern den Weg eines Helden oder Schurken, der sich über fünf Kapitel hinweg entfaltet hat. Genau das macht „Origin Story“ zu einem besonderen Erlebnis am Spieltisch.
[Note lt. Kompetenz-Team]
.5 von
Punkten.
{gespielt von Babsi, Chris, Pascal}
[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/454909/origin-story
HP: https://stonemaiergames.com/games/origin-story/
Ausgepackt: n/a
[Galerie: 18 Fotos]




