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„Bastion“ – Fazit

Review-Fazit zu „Bastion“, einem kooperativ taktischen Verteidigungsspiel.

[Infos]
für: 1-4 Spieler
ab: 10 Jahren
ca.-Spielzeit: 45-90min.
Autoren: Evgeny Nikitin und Nikolay Pegasov
Illustration: Sergey Dulin
Verlag: Hobbyworld
Anleitung: englisch
Material: sprachneutral (russisch)

[Download: Anleitung/Übersichten]
engl., span., poln., russ.: https://boardgamegeek.com/boardgame/181236/bastion/files
engl.: https://hobbyworldint.com/portfolio-item/bastion/#downloads

[Fazit]
Ein kooperatives Verteidigungsspiel, das seine Spieler mitten in eine dramatische Belagerung wirft. Eine uralte Festung steht kurz vor dem Fall, während sich Legionen von Monstern, Magiern, Drachen und anderen Schrecken an den Mauern sammeln. Die Prämisse ist klassisch, aber die Umsetzung überraschend frisch. Statt Miniaturen, Würfel oder komplexe Kampfmechaniken setzt Bastion auf ein taktisches Ressourcen- und Positionsspiel, das sich wie eine Mischung aus Puzzle, Tower Defense und kooperativem Eurogame anfühlt.

Das Herz des Spiels ist die modulare Festung, bestehend aus sechs Distrikten, die ringförmig um die zentrale Zitadelle angeordnet sind. Jeder Distrikt besitzt drei Manaquellen, einen Turm, zwei Fundamentfelder und eine Platzfläche, auf der bestimmte Feinde landen können. Die Spieler beginnen gemeinsam in der Zitadelle und übernehmen die Rolle von Verteidigern – namenlose, aber mächtige Magier, die sich über das Schlachtfeld bewegen, Mana sammeln und Feinde bannen. Die Gegner erscheinen in Form von Karten, die sich entlang der Mauern im Kreis bewegen, immer näher an das Tor heran, das den letzten Schutz der Bastion darstellt. Sobald ein Feind das Tor erreicht, ist die Partie verloren.

Der Spielablauf folgt einem klaren Rhythmus. Zuerst greift der Feind an, dann handeln die Spieler. Der Feindzug ist dabei denkbar einfach, aber gnadenlos. Entweder wird eine neue Karte vom Gegnerdeck gezogen und an der Mauer platziert, oder – sobald das Deck leer ist – der am weitesten entfernte Gegner rückt ein Feld weiter in Richtung Tor. Viele Feinde besitzen besondere Fähigkeiten, die beim Ziehen ausgelöst werden. Kundschafter ziehen zusätzliche Karten nach, Symbionten verschmelzen mit anderen Gegnern zu stärkeren Kreaturen, Flieger landen auf den Plätzen der Distrikte und blockieren dort das Sammeln von Mana, Priester machen benachbarte Feinde unbesiegbar, und Drachen besetzen die Zitadelle, wodurch die Spieler dort kein Mana mehr sammeln können. Diese Fähigkeiten sorgen dafür, dass Bastion nie zu einem simplen „Mana rein, Gegner raus“-Ablauf verkommt, sondern ständig neue taktische Herausforderungen stellt.

Der Spielerzug ist dagegen ein kleines taktisches Puzzle. Jeder Verteidiger darf sich einmal bewegen, einmal Mana sammeln und einmal einen Gegner besiegen – aber nichts davon ist verpflichtend. Das Sammeln von Mana ist der Kernmechanismus des Spiels. Offene Quellen liefern drei Mana ihrer Farbe, schließen sich aber danach. Geschlossene Quellen können nur über den Turm des Distrikts geleert werden, der wiederum selbst geschlossen wird, wenn er benutzt wird. Und alle Türme lassen sich nur über die Zitadelle wieder öffnen. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der cleveres Timing und gute Absprache erfordert. Die Spieler jonglieren mit sechs Farben von Mana, die jeweils den Farben der Feinde entsprechen. Um einen Gegner zu besiegen, muss exakt die Anzahl an Mana seiner Farbe abgegeben werden, die seiner Stärke entspricht. Manche Feinde – wie Golems – verlangen sogar Mana aller Farben. Jeder besiegte Gegner wird anschließend zu einem einmalig nutzbaren Zauber, der zusätzliche Bewegungen, Mana oder andere Vorteile gewährt. Diese Zauber sind mächtig, aber begrenzt, und ihr Einsatz entscheidet oft über Sieg oder Niederlage.

Zusätzlich gibt es Ritualkarten, die wie kleine Quests funktionieren. Um ein Ritual zu vollenden, muss ein Spieler einen Gegner einer bestimmten Farbe besiegen. Das Ritual wird dann zu einem permanenten Artefakt, das auf einem Fundament des Distrikts platziert wird und fortan einen dauerhaften Effekt bietet – etwa das Verbilligen bestimmter Feinde oder das Verstärken der eigenen Fähigkeiten. Diese Artefakte sind ein weiterer Baustein im strategischen Gefüge des Spiels und verleihen jeder Partie eine eigene Dynamik.

Was Bastion besonders macht, ist die Art, wie es Kooperation erzwingt. Es gibt keine individuellen Rollen oder asymmetrischen Fähigkeiten; die Spieler sind gleichwertige Magier, die gemeinsam planen müssen. Die Herausforderung entsteht aus der Kombination der Feindfähigkeiten, der begrenzten Ressourcen und der ständigen Bewegung entlang der Mauern. Jede Entscheidung – ob man Mana sammelt, einen Gegner besiegt oder sich nur neu positioniert – hat Auswirkungen auf das gesamte Team. Das Spielgefühl erinnert an eine abstraktere, taktischere Version von „Pandemic“, allerdings mit stärkerem Fokus auf Timing und Ressourcenmanagement.

Die Atmosphäre des Spiels wird durch die Illustrationen und das Setting getragen, das aus dem russischen Fantasy-Universum „Berserk“ stammt. Die Grafik ist düster, farbintensiv und stilisiert, was gut zur Bedrohungslage passt. Mechanisch ist Bastion jedoch eher ein abstraktes Strategiespiel als ein thematisches Abenteuer – wer epische Geschichten oder narrative Elemente sucht, wird hier weniger fündig. Dafür glänzt das Spiel mit Klarheit, Eleganz und einem hohen Wiederspielwert, besonders wenn man die fortgeschrittenen Distriktseiten oder die optionalen Support- und Legendary-Gegner einsetzt, die das Spiel deutlich anspruchsvoller machen.

Insgesamt ist „Bastion“ ein überraschend tiefes, taktisches Koop-Spiel, das sich ideal für Gruppen eignet, die gerne gemeinsam knobeln und optimieren. Es ist kein Spiel, das durch Zufall oder Glück entschieden wird – im Gegenteil, es belohnt Planung, Kommunikation und präzises Timing. Die Lernkurve ist moderat, aber die Meisterung des Systems erfordert einige Partien. Wer ein kooperatives Spiel sucht, das weniger auf Würfelglück und mehr auf strategische Entscheidungen setzt, nimmt „Bastion“ als Tipp an.

[Note lt. Kompetenz-Team]
4 von 6 Punkten.
{gespielt von X, Pascal}

[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/181236/bastion
HP: https://hobbyworldint.com/portfolio-item/bastion/
Ausgepackt: n/a

[Galerie: 8 Fotos]

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