„Inferno: Plutus & Phlegyas“ – Fazit
Review-Fazit zu „Inferno: Plutus & Phlegyas“, einer (Mini-)Erweiterung zu „Inferno„.
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[Infos]
für: 1-4 Spieler
ab: 14 Jahren
ca.-Spielzeit: 30-120min.
Autor: Fernando Eduardo Sánchez
Illustration: David Benzal und Cristian Casado Otazu
Verlag: Strohmann Games
Anleitung: deutsch
Material: deutsch
[Download: Anleitung/Übersichten]
dt.: https://www.strohmann-games.de/spiele/jahrgang-2025/inferno-plutus-und-phlegyas/ (s. u.)
[Fazit]
Eine Erweiterung, die man zunächst unterschätzt – bis man sie einmal am Tisch hatte und merkt, wie elegant sie das Grundspiel auffächert. Sie fügt dem höllischen Geschiebe zwei neue Figuren hinzu, die das taktische Timing verschärfen, die Interaktion anheizen und das ohnehin schon dichte Raumgefühl der Kreise noch ein Stück weiter verdichten. Dabei bleibt alles bewusst klein, modular und schnell erklärt, aber mit spürbarer Wirkung auf das Spielgefühl.
Im Zentrum stehen zwei neue Wächter, die jeweils eine eigene Miniatur, eine eigene Funktionsweise und ein eigenes kleines Ökosystem mitbringen. Der Rote Wächter, flankiert von Plutus und Dante, bringt die Schreibtische ins Spiel – kleine Zollstationen, die man unter benachbarte Schilde legt. Der Aufbau ist simpel, der Aufsteller startet links im braunen Kreis, jede Person erhält zwei Schreibtische der eigenen Farbe. Nutzt man den Roten Wächter, versetzt man den Aufsteller auf einen freien Schild und legt einen Schreibtisch unter einen angrenzenden Schild. Sind beide Schreibtische bereits in der Hölle, darf man einen davon neu positionieren. Das klingt harmlos, entfaltet aber durch Plutus seine eigentliche Kraft. Immer wenn eine andere Person eine Seele über deinen Schreibtisch hinwegzieht, wird eine Drachme fällig. Nur das reine Ankommen auf dem Schreibtisch ist kostenlos – das Überqueren kostet. Dadurch entsteht ein wunderbar fieses Mikromanagement. Man baut kleine Mautstellen, die andere entweder umgehen müssen oder zähneknirschend bezahlen. Besonders spannend ist, dass Schreibtische keine Schilde blockieren und somit die Phlegethon-Wertung nicht beeinflussen. Sie sind reine Einnahmequellen – und je nach Positionierung können sie zu echten Goldgruben werden.
Der Schwarze Wächter funktioniert völlig anders. Er startet rechts im blauen Kreis und bringt die Glocken ins Spiel. Statt den Aufsteller zu bewegen, nimmt man beim Nutzen des Schwarzen Wächters einfach eine Glocke – ein Vorrat, den man später in der Höllenphase ausgeben kann. Eine Glocke zu läuten ruft Phlegyas herbei, den Fährmann des Styx, der eine zusätzliche Bewegung ermöglicht. Man versetzt den Aufsteller auf einen freien Schild im selben Kreis wie die gewählte Seele, zieht diese Seele auf einen ebenfalls freien Schild desselben Kreises und führt anschließend eine reguläre Höllenphasen-Bewegung mit genau dieser Seele aus. Wichtig ist, dass diese zweite Bewegung verpflichtend ist – wer seitwärts zieht, muss danach auch tiefer steigen können. Dadurch entsteht ein mächtiges Werkzeug, um blockierte Situationen aufzubrechen, Seelen aus gefährlichen Engpässen zu lösen oder sie gezielt in lukrative Wertungspositionen zu schieben. Phlegyas ist kein subtiler Manipulator wie Plutus, sondern ein Brecheisen. Er verschiebt das Timing, öffnet Räume und erlaubt Züge, die sonst schlicht nicht möglich wären.
Gemeinsam erzeugen Plutus und Phlegyas eine reizvolle Spannung zwischen langfristiger Planung und taktischer Flexibilität. Die Schreibtische belohnen vorausschauende Platzierung und das Lesen der gegnerischen Absichten, während die Glocken als Notfall- oder Überraschungswerkzeug dienen, das jederzeit die Dynamik eines Kreises kippen kann. Besonders gelungen ist, dass beide Module unabhängig voneinander funktionieren, aber zusammen ein noch dichteres Netz aus kleinen Entscheidungen bilden. Lohnt es sich, eine Drachme zu zahlen, um eine bessere Position zu erreichen? Hebelt eine Glocke die mühsam aufgebauten Mautstellen aus? Und wie viel Kontrolle hat man eigentlich noch, wenn Phlegyas jederzeit auftauchen kann?
„Inferno: Plutus & Phlegyas“ ist damit eine Erweiterung, die das Grundspiel nicht verändert, sondern schärft. Sie fügt keine Komplexität hinzu, sondern neue Reibungspunkte – kleine, aber wirkungsvolle Eingriffe, die das Spiel interaktiver, unberechenbarer und ökonomisch spannender machen. Wer Inferno bereits mag, bekommt hier genau die Art von modularem Zusatz, der das Spiel nicht größer, aber lebendiger macht.
[Note lt. Kompetenz-Team]
.5 von
Punkten.
{gespielt von X, Pascal}
[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgameexpansion/444192/inferno-plutus-and-phlegyas
HP: https://www.strohmann-games.de/spiele/jahrgang-2025/inferno-plutus-und-phlegyas/
Ausgepackt: n/a
[Galerie: 5 Fotos]




