„Mothership: Tabletop Combat“ – Fazit
Review-Fazit zu „Mothership: Tabletop Combat (Kickstarter-PreRelease)“, einem taktischen Miniaturenspiel.
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[Infos]
für: 1-6 Spieler
ab: 12 Jahren
ca.-Spielzeit: 45-180min.
Autor: Peter Sanderson
Illustration: Peter Sanderson
Verlag: self-published (2nd Edition: Warp Core Games)
Anleitung: englisch
Material: englisch
[Download: Anleitung/Übersichten]
engl.: https://boardgamegeek.com/boardgame/194964/mothership-tabletop-combat/files
engl. (2nd Edition): https://www.warpcoregames.com/games/mothership (s. u.)
[Fazit]
Hier hat der Autor deutlich mit Leidenschaft, Humor und einem Faible für taktische Weltraumschlachten gewerkelt. Die hier vorliegende selbstverlegte Erstauflage besitzt genau diesen rauen, charmanten Charakter eines Indie-Projekts, das nicht versucht, glattgebügelt zu wirken, sondern seine Identität stolz vor sich herträgt. Später erschien das Spiel in einer überarbeiteten Edition bei Warp Core Games, doch die ursprüngliche Version bleibt ein kleines Unikat: direkter, etwas anarchischer und voller Persönlichkeit.
Ein Spiel über Energie, Risiko und explosive Entscheidungen. Im Kern ist „Mothership“ ein taktisches Miniaturenspiel, das sich erstaunlich flott spielt und dennoch eine überraschende Tiefe entfaltet. Jeder Spieler kontrolliert eine kleine Flotte bestehend aus einer mächtigen „Mutterschiff“-Einheit, einigen wendigen Kampfjägern, schwerfälligen Bombern sowie einer verwundbaren, aber spielentscheidenden Basisstation. Diese Station ist der Lebensnerv jedes Spielers. Fällt sie, ist man sofort aus dem Spiel – egal, wie viele Schiffe man noch hat. Das erzeugt von Anfang an eine klare Linie, denn Angriffslust und Verteidigungsnotwendigkeit stehen permanent im Konflikt.
Das ikonische Element von „Mothership“ ist die eigene Kontrolltafel – ein kleines Tableau, auf dem mit blauen Energiewürfeln die Systeme des Mutterschiffs konfiguriert werden. Vor jeder Bewegung entscheidet man, wie viel Energie in den Antrieb, die Waffensysteme oder die Schutzschilde gepumpt werden. Mehr Antrieb bedeutet größere Reichweite, mehr Waffen ein stärkerer Würfel, mehr Schilde eine höhere Überlebenschance. Diese Energie bleibt bis zum nächsten Zug „eingefroren“, was das Spiel zu einem ständigen Balanceakt macht. Man plant voraus, riskiert aber gleichzeitig, mit einer falschen Einstellung in einen möglichen Hinterhalt zu geraten.
Diese Mechanik verleiht „Mothership“ eine fast schon rollenspielartige Identität. Es ist nicht nur ein großes Schiff – es ist ein wandelbares Werkzeug, das aktiv geformt wird. Und weil Kampfjäger und Bomber feste Werte haben, entsteht ein schönes Spannungsfeld zwischen der Flexibilität des Mutterschiffs und der Berechenbarkeit der Begleitschiffe.
Die Kämpfe in „Mothership“ sind schnell, brutal und erstaunlich taktisch. Sobald zwei Schiffe benachbart stehen, kommt es zum „Dogfight“. Beide Spieler würfeln den für ihre Einheit vorgesehenen Würfel und addieren eventuelle Boni aus Technologie oder Aktionskarten. Der höhere Wurf gewinnt – und der Verlierer explodiert. Bei Gleichstand passiert nichts.
Das klingt simpel, aber die Rollenverteilung der Schiffe sorgt für Tiefe. Kampfjäger greifen kleine Ziele an und können Schilde beschädigen, aber keinen echten Schaden z.B. am Mutterschiff verursachen. Bomber sind die „Panzerknacker“. Sie ignorieren kleine Ziele, dafür reißen sie Löcher in Mutterschiffe und Basisstationen. Das Mutterschiff kann alles angreifen – und alles zerstören.
Diese klare Trennung führt zu spannenden taktischen Entscheidungen. Ein Kampfjäger kann einen Bomber nicht zerstören, aber er kann ihn blockieren oder als Schutzschild dienen. Ein Bomber kann ein Mutterschiff ernsthaft beschädigen, ist aber selbst extrem verwundbar. Und die Mutterschiffe sind mächtig, aber nicht unsterblich – besonders wenn sie schlecht konfiguriert wurden.
Ein besonders reizvolles Element ist die Möglichkeit, mit mehreren Schiffen gleichzeitig anzugreifen. Alle Würfe werden addiert, was die Chancen erhöht – aber wenn der Angriff scheitert, explodieren alle beteiligten Schiffe. Das erzeugt diese martialischen „Alles oder nichts“-Momente, die das Spiel so „lebendig“^^ machen. Manchmal lohnt sich der riskante Schlag, manchmal endet er in einem spektakulären Totalverlust.
Neben dem Kampf spielt die Ökonomie eine wichtige Rolle. Planeten können erobert werden, indem man eine 6 oder höher würfelt – ohne Boni, was die Sache überraschend spannend macht. Jeder kontrollierte Planet liefert am Ende des eigenen Zuges Ressourcen, ebenso wie die Basisstation. Zusätzlich erhält man Ressourcen für zerstörte gegnerische Schiffe.
Diese Ressourcen fließen dann in zwei Dinge, Aktionskarten – einmalige Effekte, die Kämpfe drehen können, Bewegungen ermöglichen oder gegnerische Systeme sabotieren – oder in den Technik-Baum – dauerhafte Verbesserungen, die die eigene Flotte spezialisieren.
Der Technikbaum ist clever aufgebaut. Jede Kategorie verzweigt sich in zwei Richtungen und man kann nur eine davon verfolgen. Dadurch entstehen klare strategische Identitäten – etwa ein Fokus auf Wirtschaft, auf brutale Kampfkraft oder auf trickreiche Support-Fähigkeiten. Die finalen „Mothership“-Fähigkeiten sind bewusst mächtig gestaltet und können das Spiel kippen, was den Wettlauf um Ressourcen noch spannender macht.
Asteroidenfelder sind ein weiteres Element, das das Spielbrett dynamisch macht. Sie blockieren Bewegungen, können aber durchflogen werden – allerdings nur, wenn man einen Dogfight gegen das Feld gewinnt. Asteroiden würfeln immer einen W6 und wer verliert, explodiert. Das ist herrlich thematisch und sorgt für Momente, in denen man sich fragt: „ööööööööööööööWage ich es? Oder fliege ich außen herum und verliere Zeit?“
„Mothership“ ist kein trockenes Strategiespiel. Es ist ein explosives, interaktives, manchmal chaotisches Erlebnis, das aber genug taktische Tiefe besitzt, um erfahrene Spieler zu fesseln. Die Mischung aus Würfelglück, cleverem Positionieren, Ressourcenmanagement und dem ständigen Risiko macht jede Partie anders. Die variable Aufbau-Regel sorgt zusätzlich dafür, dass keine zwei Spiele gleich aussehen.
Das Spiel ist trotz seiner taktischen Elemente sehr zugänglich. Die Regeln sind klar, die Abläufe intuitiv und die Kämpfe sind schnell abgehandelt. Dadurch entsteht ein Spielfluss, der an klassische Arcade-Space-Shooter erinnert – nur eben auf dem Tisch.
„Mothership: Tabletop Combat“ ist ein leidenschaftliches Indie-Projekt, das sich nicht hinter großen Produktionen verstecken muss. Die Erstauflage besitzt einen charmanten DIY-Charakter, kombiniert mit einem überraschend eleganten Regelkern. Die Mischung aus flotten Dogfights, cleverem Energiemanagement, riskanten Entscheidungen und einem modularen Technologiebaum macht das Spiel zu einem echten Erlebnis – besonders für Gruppen, die Spaß an direkter Interaktion und taktischem Chaos haben.
[Note lt. Kompetenz-Team]
von
Punkten.
{gespielt von X, Pascal}
[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/194964/mothership-tabletop-combat
HP: n/a
Ausgepackt: n/a
[Galerie: 19 Fotos]




