„Tiletum“ – Fazit
Review-Fazit zu „Tiletum“, einem taktischen Dice-Placement-Spiel.
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[Infos]
für: 1-4 Spieler
ab: 14 Jahren
ca.-Spielzeit: 60-100min.
Autoren: Simone Luciani und Daniele Tascini
Illustration: Giorgio De Michele und Zbigniew Umgelter
Verlag: Board&Dice
Anleitung: englisch
Material: englisch
[Download: Anleitung/Übersichten]
dt., engl., frz., ital., span., ung.: https://boardgamegeek.com/boardgame/351913/tiletum/files
engl.: https://boardanddice.com/our-games/tiletum/ (s. u.)
[Fazit]
Ein klassischer Vertreter der modernen „Heavy Euro“-Spiele, der seine Spieler in die frühe Renaissance versetzt und sie als wohlhabende Kaufleute quer durch Europa reisen lässt, um Handelshäuser zu errichten, Verträge zu erfüllen, Kathedralen zu unterstützen und sich die Gunst einflussreicher Familien zu sichern. Hinter der eleganten Optik verbirgt sich ein raffiniertes Würfel- und Ressourcenmanagementspiel, das über vier Runden gespielt wird und in jeder Partie neue taktische Herausforderungen bietet.
Der zentrale Mechanismus von „Tiletum“ ist das Aktionsrad, auf dem zu Beginn jeder Runde eine bestimmte Anzahl Würfel platziert wird – je nach Spielerzahl. Die Würfel werden aus dem Beutel gezogen, geworfen und anschließend nach ihrer Augenzahl sortiert an die entsprechenden Segmente des Rades gelegt. Jeder Würfel repräsentiert dabei zwei Dinge gleichzeitig, nämlich die Menge der Ressourcen, die man erhält, und die Stärke der Aktion, die man ausführt. Der Clou liegt darin, dass diese beiden Werte invers zueinander stehen – nimmt man etwa einen Würfel mit der Augenzahl 6, erhält man sechs Ressourcen der entsprechenden Farbe, führt aber eine Aktion mit Stärke 1 aus. Ein Würfel mit einer 1 hingegen liefert nur eine Ressource, aber eine Aktion mit Stärke 6. Dieses Spannungsfeld zwingt die Spieler ständig zu schwierigen Entscheidungen und macht den Kern des Spiels aus.
Jede Runde beginnt mit einer kurzen Vorbereitungsphase, in der die Würfel verteilt und ein Korruptionsmarker aufgedeckt wird, der alle Spieler auf der Königsleiste zurückfallen lässt. Danach folgt die Aktionsphase, in der jeder Spieler dreimal an der Reihe ist. Nimmt man einen Würfel, legt man ihn auf sein eigenes Tableau, erhält zunächst optional ein Bonusplättchen, dann die Ressourcen entsprechend Farbe und Augenzahl und führt schließlich die zugehörige Aktion aus. Die Aktionen umfassen das Reisen über die Europakarte, das Errichten von Handelshäusern, das Unterstützen von Kathedralen, das Anwerben von Persönlichkeiten oder das Erfüllen von Handelsverträgen. Jede dieser Aktionen ist eng mit der eigenen Strategie verknüpft. Wer viel reist, erschließt sich neue Städte und Boni; wer Kathedralen unterstützt, sammelt wertvolle Siegpunkte; wer Verträge erfüllt, erhält starke Soforteffekte und langfristige Vorteile.
Besonders elegant ist die Königsphase am Ende jeder Runde. Die Position auf der Königsleiste entscheidet darüber, wer ein Bonusplättchen erhält, wer Punkte gewinnt oder verliert und wie die Spielerreihenfolge für die nächste Runde aussieht. Da die Reihenfolge im Spiel oft entscheidend ist – etwa um begehrte Würfel oder Stadtfelder zuerst zu erreichen – entsteht hier ein subtiler Wettlauf, der das Spielgefühl zusätzlich verdichtet.
Nach vier Runden endet die Partie, und es folgt eine umfangreiche Schlusswertung, die Handelshäuser, erfüllte Verträge, Kathedralenfortschritte, Persönlichkeiten und weitere Faktoren berücksichtigt. „Tiletum“ belohnt langfristige Planung ebenso wie taktische Flexibilität, denn die Würfelverteilung kann jede Runde neue Prioritäten erzwingen.
Insgesamt präsentiert sich „Tiletum“ als anspruchsvolles, aber erstaunlich zugängliches Eurogame, das durch seinen brillanten Würfelmechanismus, die klare Ikonografie und die starke Verzahnung der Aktionen überzeugt. Jede Entscheidung fühlt sich bedeutsam an, und die Mischung aus Ressourcenoptimierung, Routenplanung und Mehrheitenwertung sorgt für ein dynamisches, strategisch tiefes Spielerlebnis. Wer Spiele wie „Teotihuacan“ oder „Tawantinsuyu“ aus der gleichen Reihe der „T“-Spiele schätzt, wird sich bei „Tiletum“ sofort zuhause fühlen – und dennoch genug Neues entdecken, um viele Partien lang gefesselt zu bleiben.
[Note lt. Kompetenz-Team]
von
Punkten.
{gespielt von Babsi, Chris, Pascal}
[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/351913/tiletum
HP: https://boardanddice.com/our-games/tiletum/
Ausgepackt: n/a
[Galerie: 11 Fotos]




