Heimspiele.info

„MORD in der Villa Mafiosa“ – Review


Bild

Vom Gmeiner Verlag kommt ein klassisches Krimi-Dinner zum Spieler nach Hause.
Das Besondere hierbei ist aber, dass auch gleich ein mordsmäßig gutes Kochbuch mitgeliefert wird, welches reichlich lukullische Genüsse herrlich ins Thema einbindet! So kann der Gastgeber zu Hause ein perfektes Krimi-Event nachstellen, welches man so i.d.R. sonst nur ausserhalb erleben kann. Zusätzlich erfährt man hier nämlich auch reichlich Tipps, wie die Organisation und Abläufe am sinnvollsten zu managen sind, also ein Rundum-Sorglos-und-Spaß-Paket quasi :).

Doch nun erst einmal zum Spielgeschehen. Passend zum generellen Thema der italienisch „familiären“^^ Küche, wurde am heimischen Tatort der Saucenpapst Enrico Fratinelli ermordet.
Gastgeber (Toni Travoni) und Gäste (Signor Corleone, Il Comandante, Black Betty, Gianfranco Mazzini, Schwester Ignatia, Tante Helga, Contessa Caprese) schlüpfen in die Rollen italienischer Mitbürger – nicht ganz klischeefrei, aber immer augenzwinkernd^^ – und dürfen dann während ihres geniesserischen Aufenthaltes, schliesslich werden reichlich Speisen kredenzt, auf jeglich erdenkliche Art ermitteln, schnüffeln, Fragen stellen und Verdächtigungen äussern, bis der wahre Übeltäter gefasst wird.


Bild

Der Gastgeber bedankt sich eingangs für das Erscheinen aller und muss aber gleich Tragisches mitteilen, denn ein Mitglied aus ihrer ehrenwerte Runde, Enrico Fratinelli, wurde kurz zuvor, um 19:20 Uhr, in der Küche tot aufgefunden – den Kopf in einem Topf Sugo und ein Tranchiermesser im Rücken.
Da, wie üblich bei diesen Treffen, auf sämtliches Personal verzichtet wurde, kommt als Täter auch nur ein Gast aus dieser Runde in Frage und somit wurde die Villa hermetisch abgeriegelt. Nichts desto trotz, wäre es auch im Sinne des Toten, das Dinner als solches fortzuführen und das gute Essen nicht verkommen zu lassen.

Alle Gäste (Spieler) haben vorher Einladungen erhalten, die ihre jeweilige Rolle und weitere Informationen enthalten (z.B. Kinderstube, „beruflicher“ Werdegang, Beziehungen, u.a.) und dazu auch Hinweise geben, wie sie sich verhalten/reden und ankleiden sollten! Ferner gibt es darin Informationen zu den anderen zu erwartenden Gästen, zum Opfer und zur Geschichte der bisherigen Treffen sowie dieser Gesellschaft.
Darüber hinaus findet sich, auf einem Extra-Bogen, Platz für Notizen und Ideen zum Verlauf der eigenen Rolle am Abend und natürlich für die Vermutungen/Verdächtigungen.
Die Gäste dürfen sich aber natürlich nicht vorher kontaktieren und/oder in irgendeiner Weise absprechen. Ausserdem dürfen keine Falschaussagen gemacht werden!


Bild
Bild
Bild
Bild
Bild
Bild

Jeder Anwesende, ausser dem Gastgeber, hätte ein Motiv, aber nur einer hat die Tat wirklich umgesetzt. Der Gastgeber kennt den Mörder, wird sich aber natürlich hierzu zurückhalten und nur moderierend Anleitungen und evtl. Tipps geben.
Hierzu gibt das Spiel dem Gastgeber einige Tipp-Karten an die Hand, die ihn/sie die Abendgestaltung und vor allem den Spielablauf leichter (organisierter) ausüben lassen.


Bild

Zunächst wird den Gästen der Spielablauf und dessen Regeln erklärt, sofern nicht im Vorfeld geschehen. Danach erhält jeder Gast 6 persönliche Spielkarten, die er/sie in der vorgegebenen Reihenfolge einzubringen hat. Diese Karten sind quasi Regieanweisungen und geben reichlich Tipps und Ideen wie auch handfeste Vorgaben an, was der Gast zu sagen oder wie er sich zu benehmen hat – dazu gibt es auch immer Improvisations-Stichpunkte zur Erleichterung.
Die Karten werden im Laufe des Abends also nacheinander „ausgespielt“ (es wird auch immer angegeben, wer was wann zu wem anhand der aktuellen eigenen Karte zu tun oder zu sagen hat^^), bis die jeweils letzte Karte dann zur Verdächtigung des einen Täters führt.


Bild
Bild
Bild

Nun kann der Abend auch schon beginnen und mit dem Verzehr der Vorspeise(n) auch gleich die ersten Überlegungen angestellt werden – ganz rollengemäß natürlich^^.

Für das Essen sucht der Gastgeber entweder nach Gusto aller ein entsprechendes Menü aus oder wählt überraschend bestimmte Gänge aus. Zu überlegen ist natürlich auch die Variante, dass jeder Gast eine bestimmte Speise vorfinden muss, da er/sie, im Kochbuch, schliesslich auch eigene Rezepte mit einbringt.
Wie auch immer, das sehr abwechslungsreiche Kochbuch sollte für jeden Geschmack (und/oder Abstinenzer^^) etwas parat haben!
Diverse Vorspeisen, Hauptgerichte, Zwischengänge, Nachspeisen, alles in warmen oder kalten Varianten sowie auch Getränkvorschläge sorgen definitiv für einen vollmundigen Speiseplan für den auserkorenen Abend.


Bild

Die Rezepte sind allesamt sehr gut beschrieben und bebildert, die Zutatenauflistungen übersichtlich (es wird pro Rezept maximal eine DIN A5 – Seite benötigt!) und alles in allem leicht verständlich – es werden auch Alternativen für dezent schwieriger zu besorgende Speisekomponenten angeboten sowie Vorschläge zu passenden Beilagen unterbreitet (nebst evtl. Rezept auch dafür).


Bild

Die für den Testabend gewählten Essen liessen sich am Nachmittag gut und leicht zu zweit vorbereiten (also die Besorgungen, Schnippseleien, usw.) und am Abend leicht aktivieren (frisch brutzeln^^) und konnten für einen wahren Gaumengenuss sorgen: Tomatenbruschetta, Parmesantaler und Orecchiette con Salsiccia (von Corleone auch liebevoll „Öhrchen“ genannt^^).


Bild
Bild

Vor, während und nach den Gängen wurden dann die Rollen gespielt und wer sich hier richtig auf das „Spiel“ einläßt, wird mit einem tollen Erlebnis belohnt. Natürlich gab es immer wieder Gekicher und große Fragezeichen im Gesicht, aber im großen und ganzen konnte das Dinner, wie gewollt, durchgeführt und -gehalten werden und so war dann die Auflösung auch recht überraschend und der Weg dorthin nicht nur lecker, sondern auch sehr spannend.

Natürlich wird man auch vom Spiel sehr geführt, durch die vielen Angaben, was man wann zu machen hat, aber dies dient eigentlich auch nur zur Einführung und für unerfahrenere Krimi-Dinner-Teilnehmer, später bzw. bei häufigeren Treffen kann auch mit den selben Karten und Vorgängen gespielt werden, es wird einfach viel mehr improvisiert.
Irgendwann ist aber die Abwechslung dann vergangen, das ist auch klar, nach 5 Abenden kennt jeder jeden Charakter auswendig und es gibt nicht mehr viel zu ergründen, aber das ist ja auch mit jedem Kriminalroman so, wenn man einmal den Täter oder den Ablauf kennt, ist es nicht mehr so spannend, dies läßt sich hier aber immerhin noch einige Abende lang strecken und anpassen.

Auf jeden Fall bleiben dann aber noch tolle Rezepte (inkl. neckischen Geschichtchen zu den „Köchen“^^), die sich auch bei ganz „normalen“ Abenden gut einsetzen lassen (Taralli alla Corleone, Torta Morbida al Cioccolato, Pizzaschnecken, Granita al Limone, Toskanisches Teufelshähnchen, Ribollita, Auberginenröllchen, Erdbeer-Mascarpone-Creme, Limoncello Picobello, Tortellini-Salat ‚Amore Mio‘, Zitronen-Salbei-Hähnchen, Strangolapreti, Fritatta, Vitello Tonato, Riesenbohnen mit Salami-Chips, Focaccia Sarda, Panzanella, u.v.m.) :)!
Am Ende des über 90-seitigen Kochbuches, finden sich auch noch vorgefertigte Tischkärtchen für die Gäste.

(Ein an sich selbsterklärender Tipp: alle Einladungen, Notizbögen, usw. nur in Kopie verschicken!)

Fazit: 6 von 6 Punkten!

Verlag: Gmeiner Verlag
Autorinnen: Michaela Küpper und Marlies Müller
ab: 14 Jahren
Spielerzahl: 5-8
ISBN: 4260220581581 (Spiel und Kochbuch)
UVP: 17,99

One Response to „MORD in der Villa Mafiosa“ – Review

  1. Pingback: "Mord im Weißwurststüberl" – Fazit | Heimspiele.info

Schreibe einen Kommentar

Deutschlands einzige werbe- und kommerzfreie und völlig unabhängige Brett- und Kartenspiel-Community!