„Labyrinth: Chronicles“ – Fazit
Review-Fazit zu „Labyrinth: Chronicles“, einer Labyrinth-Variantensammlung.

[Infos]
für: 2-4 Spieler
ab: 8 Jahren
ca.-Spielzeit: 20-60min.
Autoren: Max J. Kobbert und Jan Truchanowicz
Illustration: Jakub Dzikowski, Patryk Jędraszek, Ewa Labak und Pamela Łuniewska
Verlag: Ravensburger
Anleitung: englisch
Material: englisch
[Download: Anleitung/Übersichten]
engl., frz.: https://boardgamegeek.com/boardgame/440136/labyrinth-chronicles/files
dt., engl., frz., span., ital., poln.: https://awakenrealms.com/download/#labyrinth-chronicles
[Fazit]
Die deluxifizierte Ausgabe von „Labyrinth Chronicles“ entfaltet sich wie eine Zeitreise durch die Geschichte eines Klassikers, der seit den 1980ern ganze Generationen in seinen Bann zieht – und nun, in Zusammenarbeit von Ravensburger und Awaken Realms, in eine erzählerische, kooperative und visuell überwältigende Form gegossen wurde. Die Box vereint drei Spielweisen, die sich wie unterschiedliche Aggregatzustände desselben Mythos anfühlen: das klassische „Labyrinth“, das verschärfte „Master Labyrinth“ und die völlig neue, kampagnenbasierte Chronicles‑Variante, die das vertraute Schieben der Gänge in ein fortlaufendes Abenteuer verwandelt.
Im Kern bleibt das Labyrinth das, was es immer war, ein lebendiger Organismus aus verschiebbaren Wegen, der sich mit jedem Zug neu formt. Die Spieler versuchen über das 3D‑Spielbrett (Chronicles-Edition) zu ihren geheimen Zielen zu gelangen, indem sie am Rand eine Wegplatte einschieben und damit die gesamte Struktur verändern. Die Regeln sind bewusst schlank gehalten. Karte aufdecken, Weg verschieben, Figur bewegen, Schatz einsammeln.
Doch in dieser Edition wirkt das bekannte System wie poliert und neu beleuchtet. Die dreidimensionalen Wände, die haptischen Wegplatten und die Miniaturen der Abenteurer lassen das Labyrinth wie ein kleines Diorama wirken, das sich bei jedem Zug neu sortiert. Die Mechanik bleibt zugänglich, aber das Material hebt das Erlebnis auf ein modernes Niveau – auch wenn sich die 3D-Labyrinth-Teile gelegentlich verhakeln bzw. gegenseitig dezent anheben, sie sind nicht 100% passgenau.
Die Master‑Variante verschärft das Puzzle. Hier geht es nicht mehr nur darum, den eigenen Weg zu finden, sondern auch darum, die Bewegungen der Mitspieler vorauszuahnen und taktisch zu blockieren. Die Ziele sind anspruchsvoller, die Wege enger und das Labyrinth fühlt sich weniger wie ein Kindertraum und mehr wie ein strategisches Duell an.
Die verschärften Regeln verlangen präzisere Planung. Wer eine Labyrinth-Platte verschiebt, muss die Konsequenzen für mehrere Züge im Voraus bedenken. Das Spielbrett wirkt wie ein Uhrwerk, das man mit jedem Zug neu justiert – und das jederzeit gegen einen arbeiten kann.
Mit Chronicles wird das Labyrinth nun zu einem erzählerischen Schauplatz. Die kooperative Kampagne verwandelt das Schieben der Gänge in eine fortlaufende Reise durch Kapitel, Quests und Begegnungen. Die Spieler übernehmen feste Charaktere, sammeln Fähigkeiten, bauen ein Dorf wieder auf und stellen sich Goblins, Feenwesen und Ereignissen, die das Labyrinth lebendig wirken lassen.
Die Kampagne ist in Kapitel gegliedert, die jeweils neue Regeln, Ziele und Herausforderungen einführen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen erzählerischen Einbettung, gefolgt von einem spezifischen Szenarioaufbau. Die Spieler erhalten nun genauere Aufgaben, etwa Ressourcen zu sammeln, ein bestimmtes Gebiet zu erreichen oder Goblins zuvorzukommen, die im Labyrinth Schätze stehlen wollen.
Die Goblins fungieren als eine Art Zeitdruckmechanik. Sie bewegen sich über die Gänge, blockieren Wege oder entwenden wertvolle Gegenstände, die für das aufzubauende Dorf benötigt werden. Dadurch entsteht ein kooperativer Wettlauf, der das Labyrinth dynamischer und unberechenbarer macht.
Zwischen den Kapiteln kehren die Spieler in ihr Dorf zurück, das als Fortschrittssystem dient. Gebäude können errichtet oder verbessert werden, was neue Fähigkeiten, Boni oder Ausrüstungsoptionen freischaltet. Dieser Metafortschritt verleiht der Kampagne eine angenehme Rollenspielnote. Das Labyrinth ist nicht mehr nur ein Ort, den man betritt, es ist ein Teil einer größeren Welt, die sich mit jeder Partie weiterentwickelt. Optisch wird dies durch Magnetscheiben dargestellt, Gebäude die im Inneren des Schachteldeckels angebracht werden und so aufzeigen, wo in der „Welt“ sich das jeweilige Gebäude befindet.
Im Gegensatz zum klassischen Wettlauf ist Chronicles vollständig kooperativ. Die Spieler müssen ihre Züge eng abstimmen, da das Verschieben einer Platte nicht nur den eigenen Weg, sondern auch den der Mitspieler beeinflusst. Die Kapitel bringen zusätzliche Mechanismen ins Spiel, etwa Ereigniskarten, Feenwesen mit besonderen Effekten oder Skripte, die kleine erzählerische Wendungen auslösen sowie besondere Fähigkeiten, die den Spielern helfen (z.B. ein Geschwindigkeitsschub) – festgehalten wird der Fortschritt dabei auf einem Szenarioblatt.
Das Labyrinth wird dadurch zu einem taktischen Raum, der sich ständig verändert und dessen Kontrolle nie vollständig gelingt. Jede Partie fühlt sich wie ein Versuch an, Ordnung in ein chaotisches System zu bringen – und genau darin liegt der Reiz. Aber auch ein gewisser Zwang, denn nur wer eine bestimmte Anzahl an Partien durchspielt, erhält Zugang zu weiteren Szenarien (schick in Schachteln verpackt, mit unterschiedlich vielen neuen Karten etc.).
Awaken Realms hat dem Spiel eine visuelle Identität verliehen, die weit über das hinausgeht, was man von einem Familienspiel erwartet. Die 3D‑Wände, die Miniaturen, die magnetischen Elemente und die detailreichen Karten schaffen eine Atmosphäre, die das Labyrinth wie einen lebendigen Ort wirken lässt. Die Chronicles enthalten zudem Questkarten, Dorfkarten, Item‑Sets, Skills, Ereignisse und ein Scriptbook, das die Kapitel strukturiert, indem hier Karten eingefügt werden, die die jeweils (neuen) Szenarien beschreiben (Setup, Geschichte etc.). Alles wirkt wie aus einem Guss – ein modernes Abenteuerbuch, das man gemeinsam durchspielt.
Gemeinsam bilden die drei enthaltenen Varianten ein Gesamtpaket, das sowohl Familien als auch Vielspieler anspricht. Die Kampagne ist dabei das Highlight, denn sie verleiht dem bekannten Mechanismus eine Tiefe, die man dem Labyrinth nie zugetraut hätte.
„Labyrinth Chronicles“ ist eine Hommage an einen Klassiker und gleichzeitig eine mutige Neuerfindung. Die vertraute Mechanik des Wegeschiebens bleibt der Kern, doch die Kampagne verwandelt sie in ein narratives Puzzle, das sich über mehrere Kapitel entfaltet. Die deluxifizierte Ausstattung macht das Spiel zu einem Erlebnis, das man nicht nur spielt, sondern bestaunt. Wer das ursprüngliche Labyrinth liebt, findet hier eine prachtvolle Neuinterpretation. Wer kooperative Kampagnen mag, entdeckt ein überraschend tiefes Abenteuer – bei entsprechender Geduld. Und wer beides schätzt, erhält ein Spiel, das Nostalgie und Moderne auf beeindruckende Weise verbindet. Eine Empfehlung somit für absolute Fans oder Neueinsteiger, die noch nie ein „Labyrinth“ zu Hause hatten.
[Note lt. Kompetenz-Team]
.5 von
Punkten.
{gespielt von Babsi, Roswitha, Pascal}
[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/440136/labyrinth-chronicles
HP: https://www.ravensburger-gruppe.de/de/presse/index.html#newsroom/data/plugin/news/run/show_news/news_id/7035120/lang/22/id/634/integration/js
Ausgepackt: n/a
[Galerie: 23 Fotos]




