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„Ich seh‘ ein Wort“ – Fazit

Review-Fazit zu „Ich seh‘ ein Wort“, einem flinken Wort-Suchspiel.

[Infos]
für: 2-6 Spieler
ab: 8 Jahren
ca.-Spielzeit: 20min.
Autor: Ralf zur Linde
Illustration: n/a
Verlag: Schmidt Spiele
Anleitung: deutsch
Material: deutsch

[Download: Anleitung/Übersichten]
dt.: https://www.schmidtspiele.de/details/produkt/ich-seh-ein-wort.html

[Fazit]
„Ich seh’ ein Wort“ wirkt wie ein harmloses kleines Wortsuchspiel, doch in Wahrheit steckt darin ein hochdrehender Sprachmotor, der schon nach wenigen Sekunden heiß läuft. Kaum liegt die erste Karte auf dem Tisch, verwandelt sich das Ausgangswort in ein sprachliches Wimmelbild, in dem plötzlich ein Wolf aus WOHLAUF springt, Gerste aus GEISTERSTUNDE herauskullert und irgendwo im Hintergrund ein ENDE leise winkt. Das Spiel behauptet, schnell zu sein – und das stimmt. Es ist so schnell, dass die Gedanken manchmal schneller stolpern als die Stifte schreiben können.

Der Ablauf ist denkbar simpel und gerade deshalb so herrlich chaotisch. Fünf Runden lang wird jeweils eine Karte aufgedeckt, auf der ein langes Wort prangt, das sich anhört wie ein vergessener deutscher Kompositum-Koloss. Ab diesem Moment beginnt die kollektive Jagd. Alle suchen gleichzeitig nach versteckten Wörtern, die sich aus dem Ausgangswort herauslösen lassen, ohne Buchstaben umzubauen oder rückwärts zu lesen. Ein paar Buchstaben dürfen verschwinden, aber niemals dürfen sie sich neu sortieren. Und Wörter, die vollständig und lückenlos im Ausgangswort stehen, sind tabu – EIER aus FEIERABEND etwa, oder EISEN aus EISENBAHNSCHIENE. Das Spiel liebt kleine Gemeinheiten.

Während die Stifte über die Blätter kratzen, wächst der Druck. Denn sobald die erste Person sieben Wörter gefunden hat, ertönt ein triumphierendes „STOP!“. Die zweite Person, die ebenfalls sieben Wörter voll hat, beendet die Runde endgültig. Alle dürfen ihr aktuelles Wort noch fertigschreiben, dann folgt die große Ernüchterung, die Auswertung. Hier zeigt sich, dass die eigene Wortkreativität nur die halbe Miete ist. Punkte gibt es ausschließlich für Wörter, die niemand sonst gefunden hat. Wer also stolz „WOLF“ aus WOHLAUF herausgeholt hat, wird schnell feststellen, dass der Wolf offenbar ein sehr geselliges Tier ist und gleich mehrfach am Tisch auftaucht.

Besonders pikant ist das Bonuswort. Ein einziges pro Runde darf auf dem eigenen Blatt markiert werden – ein Wort, von dem man überzeugt ist, dass es niemand sonst entdeckt. Gelingt dies, gibt es zwei Punkte. Scheitert es, bleibt nur betretenes Schweigen und ein durchgestrichener Kreis. Das Bonuswort ist der Moment, in dem das Spiel kurz zum Poker wird, ein bisschen Mut, ein bisschen Risiko, ein bisschen Hoffnung, dass niemand sonst auf GESTERN kommt, obwohl es so schön in GEISTERSTUNDE steckt.

Nach fünf Runden wird abgerechnet. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt – oder teilt sich den Sieg, falls mehrere Sprachakrobaten gleichauf liegen. Doch eigentlich ist der Sieg zweitrangig. Der wahre Reiz liegt im ständigen Staunen darüber, wie viele Wörter sich in einem einzigen Wort verstecken können und im Lachen darüber, wie oft alle dieselben Ideen hatten. „Ich seh’ ein Wort“ ist ein kleines, flinkes Spiel, das die deutsche Sprache wie ein Überraschungsei behandelt; man weiß nie genau, was drinsteckt, aber irgendetwas Unerwartetes findet sich immer.

[Note lt. Kompetenz-Team]
5.5 von 6 Punkten.
{gespielt von Babsi, Roswitha, Pascal}

[Links]
BGG: n/a
HP: https://www.schmidtspiele.de/details/produkt/ich-seh-ein-wort.html
Ausgepackt: n/a

[Galerie: 7 Fotos]

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