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„Fliptoons“ – Fazit

Review-Fazit zu „Fliptoons“, einem ungewöhnlichen Deckbuilding-Spiel.

[Infos]
für: 1-4 Spieler
ab: 10 Jahren
ca.-Spielzeit: 15-30min.
Autoren: Jordy Adan und Renato Simões
Illustration: Diego Sá
Verlag: Thunderworks Games
Anleitung: englisch
Material: englisch

[Download: Anleitung/Übersichten]
engl.: https://boardgamegeek.com/boardgame/449185/fliptoons/files
engl.: https://thunderworksgames.com/products/fliptoons-game (s. Downloads)

[Fazit]
„FlipToons“ ist ein turbulenter Ausflug in die goldene Ära klassischer Zeichentrickfilme. Statt Helden in Dungeons zu schicken oder Reiche aufzubauen, schlüpfen die Spielenden in die Rolle ehrgeiziger Talentagenten, die die perfekte Besetzung für die nächste große Animationsproduktion zusammenstellen wollen. Zwischen störrischen Eseln, ehrgeizigen Ziegen, flatternden Schmetterlingen und grimmigen Bären entsteht eine bunte Cartoon-Welt, in der nicht alleine die berühmtesten Figuren zählen, sondern vor allem deren Zusammenspiel vor der imaginären Kamera.

Im Kern ist „FlipToons“ ein ungewöhnliches Deckbuilding-Spiel im Kleinformat. Zwar werden wie gewohnt neue Karten rekrutiert und schwächere Karten aus dem Deck entfernt, doch entscheidet nicht die Reihenfolge der Handkarten über den Erfolg. Stattdessen wird das komplette Deck zu Beginn jeder Runde gemischt und anschließend in einem Raster ausgelegt. Dadurch fühlt sich jede Runde wie ein kleines Casting an, bei dem sich erst im entscheidenden Moment zeigt, ob die zusammengestellten Charaktere tatsächlich miteinander harmonieren oder ob rivalisierende Persönlichkeiten das Projekt ins Chaos stürzen.

Zu Spielbeginn erhält jede Person ein identisches Startdeck aus sechs eher unscheinbaren Figuren. Zwei Raupen, eine Biene, eine Libelle, ein Stinktier und eine Schnecke bilden die ersten Nachwuchstalente. In der Tischmitte entsteht ein offener Markt aus fünf Toon-Karten, deren Kosten sich nach ihrer Position richten. Die günstigen Rollen befinden sich links, prestigeträchtigere Stars weiter rechts. Ziel der Partie ist es, durch geschicktes Rekrutieren und Optimieren des eigenen Decks möglichst viel Ruhm zu erzeugen.

Jede Runde gliedert sich in vier übersichtliche Phasen. Zunächst folgt die Flip-Phase. Hier werden die Karten des eigenen Decks gemischt und nacheinander in einem Raster aus zwei Reihen und drei Spalten aufgedeckt. Viele Figuren besitzen Effekte, die bereits beim Auslegen ausgelöst werden. Adler drehen nachfolgende Karten auf die Rückseite, Strauße stapeln weitere Figuren auf sich, Affen erzeugen zusätzliche Reihen und andere Charaktere verschieben Karten oder verändern ihre Position. Schon während des Aufdeckens entsteht dadurch ein kleines Puzzle aus Synergien und Überraschungen.

Anschließend wird in der Check-Fame-Phase ermittelt, wie viel Ruhm das aktuelle Ensemble erzeugt. Jede Figur bringt einen bestimmten Grundwert mit oder erhält Bonuspunkte durch besondere Bedingungen. Die Ziege liebt beispielsweise die obere Reihe und wird dort deutlich wertvoller. Schafe bevorzugen die mittlere Spalte. Libellen profitieren von verschiedenen benachbarten Figuren. Kamele möchten einzigartig sein und belohnen ihre Besitzer, wenn weder andere Spielende noch der Markt mehr Kamele besitzen. Manche Karten interessieren sich sogar für die Rangwerte anderer Figuren oder dafür, wie viele Karten aufgedeckt beziehungsweise verdeckt ausliegen.

Gerade diese Vielzahl kleiner Bedingungen macht den besonderen Reiz von „FlipToons“ aus. Statt einfach nur möglichst hohe Werte einzusammeln, wird ein Ensemble zusammengestellt, dessen Mitglieder sich gegenseitig ergänzen. Ein einzelner Bär wirkt zunächst unspektakulär, kann aber enorme Ruhmwerte erzielen, wenn viele Karten offen oder gestapelt ausliegen. Andere Figuren provozieren bewusst verdeckte Karten oder belohnen das Aussortieren alter Talente aus dem Deck.

Nach der Ruhmberechnung folgt die Marktphase. Beginnend mit der Startperson dürfen alle bis zu zwei Aktionen ausführen. Die wichtigste Aktion ist das Anwerben neuer Figuren. Dafür wird der zuvor erwirtschaftete Ruhm ausgegeben, um einen Toon vom Markt zu kaufen. Die Karte wandert ins eigene Deck und erweitert künftig die Möglichkeiten des Ensembles. Alternativ kann Ruhm investiert werden, um eine Karte aus dem eigenen Raster dauerhaft zu entfernen. Dieser Schritt wirkt zunächst unspektakulär, ist aber entscheidend für die langfristige Optimierung. Schwache Startfiguren verschwinden nach und nach aus dem Deck, wodurch die Wahrscheinlichkeit steigt, mächtige Kombinationen auszulegen. Einige Figuren unterstützen diesen Prozess zusätzlich. Die Raupe kostet beispielsweise weniger Ruhm beim Entlassen als andere Charaktere, während das Stinktier unter bestimmten Bedingungen sogar kostenlos eine Karte aussortieren kann.

Sind alle Aktionen abgeschlossen, wird der Markt wieder aufgefüllt. Neue Charaktere erscheinen, die Auslage wird nach Rang sortiert und die nächste Runde vorbereitet. Anschließend werden die ausgespielten Karten zurück ins Deck gemischt, bevor ein neues Casting beginnt.

Das Spiel nähert sich seinem Finale, sobald mindestens eine Person bei der Ruhmberechnung die Marke von 30 Ruhmpunkten erreicht. Wer in diesem Moment den höchsten Wert erzielt, sichert sich zusätzlich die Auszeichnung der Kritikerjury, die im Finale weitere drei Ruhmpunkte einbringt. Danach folgt eine letzte Runde, der sogenannte Final Flip. Noch einmal werden alle Decks gemischt, ausgelegt und gewertet. Jetzt entscheidet sich, welches Ensemble das Publikum begeistert und sich die Hauptrolle auf der großen Leinwand verdient.

Thematisch lebt „FlipToons“ also von seinem charmanten Cartoon-Flair. Die Figuren wirken wie Bewohner einer vergessenen Animationswelt, in der jede Tierart ihren eigenen Charakter besitzt. Die Effekte sind häufig humorvoll auf die Eigenschaften der Tiere abgestimmt. Esel wollen lieber unten auftauchen, Affen sorgen für Chaos, Adler lassen andere Figuren verschwinden und Hasen verstecken sich auf Kartenstapeln. Dadurch entsteht eine verspielte Atmosphäre, die trotz der abstrakten Mechanismen erstaunlich gut trägt.

Spielerisch gelingt „FlipToons“ ein bemerkenswerter Spagat. Einerseits sind die Grundregeln schnell erklärt und auch Gelegenheitsspielende verstehen bereits nach wenigen Runden die Abläufe. Andererseits entwickelt sich hinter der einfachen Oberfläche ein überraschend tiefes Optimierungsspiel. Die Entscheidung, ob kurzfristig Punkte erzielt oder langfristig das Deck verbessert werden soll, begleitet jede Partie. Gleichzeitig sorgt das zufällige Aufdecken der Karten für Spannung und verhindert, dass sich das Spiel zu berechenbar anfühlt.

Besonders gelungen ist die Verbindung aus Deckbau und räumlichem Denken. Es reicht nicht, einfach die stärksten Figuren zu sammeln. Entscheidend ist, wie diese während des Castings im Raster erscheinen. Dadurch entsteht ein ungewöhnlicher Mix aus Wahrscheinlichkeitsmanagement, Kombinationsspiel und taktischer Flexibilität, der sich deutlich von klassischen Deckbuildern unterscheidet.

„FlipToons“ verwandelt die Suche nach der perfekten Cartoon-Besetzung in ein kurzweiliges und cleveres Deckbuilding-Erlebnis. Hinter der niedlichen Zeichentrickfassade steckt ein raffinierter Mechanismus aus Kartensynergien, Positionswertungen und kontinuierlicher Deckoptimierung. Die Mischung aus nostalgischem Cartoon-Charme, flottem Spielablauf und überraschend vielen taktischen Entscheidungen macht das Spiel zu einem unterhaltsamen Casting-Wettbewerb, bei dem jede Runde eine neue Episode einer chaotischen Animationsserie erzählt.

[Note lt. Kompetenz-Team]
5 von 6 Punkten.
{gespielt von Babsi, Chris, Pascal}

[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/449185/fliptoons
HP: https://thunderworksgames.com/products/fliptoons-game
Ausgepackt: n/a

[Galerie: 12 Fotos]

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