„Tinctura“ – Fazit
Review-Fazit zu „Tinctura (Prototyp)“, einem schicken Planungsspiel.
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[Infos]
für: 2-4 Spieler
ab: 10 Jahren
ca.-Spielzeit: 90-120min.
Autoren: Franziska Stürzenhofecker und Jürgen Then
Illustration: Roman Kucharski und Christian Schaarschmidt
Verlag: Skellig Games
Anleitung: englisch, deutsch
Material: englisch, deutsch / sprachneutral
[Download: Anleitung/Übersichten]
dt., engl.: https://gamefound.com/en/projects/skellig-games/tinctura#/section/rulebook-134317
[Fazit]
„Tinctura“ wirkt bereits im Prototyp wie ein Spiel, das seine Atmosphäre nicht nur behauptet, sondern konsequent durch seine Mechanik trägt. Eine kleine Stadtapotheke irgendwo im 18. oder 19. Jahrhundert, ein Alltag zwischen Kräutern, Kolben, Lehrlingen und dem stetigen Druck, Patienten rechtzeitig zu versorgen. Das Spiel verbindet diese ruhige, fast handwerkliche Stimmung mit einem klar strukturierten, taktischen Ablauf, der über fünf Tage hinweg immer dichter wird.
„Tinctura“ stellt den Alltag einer historischen Apotheke ins Zentrum. Der Tag beginnt mit brodelnden Tinkturen, dem Pressen von Tabletten und der Frage, welche Aufgaben zuerst erledigt werden müssen. Patienten warten auf Linderung, Kräuter müssen im Wald gesammelt werden, Lehrlinge stellen Fragen und zwischendurch locken Fortbildungen oder der Händler mit neuen Werkzeugen.
Diese Mischung aus Routine und kleinen Abenteuern bildet den erzählerischen Kern des Spiels. Die Apotheke ist kein Ort der großen Dramen, sondern ein Ort der Präzision, Planung und stetigen Verbesserung. Genau diese Stimmung transportiert das Spiel sehr gut – auch im Prototypen.
„Tinctura“ spielt sich über fünf Tage, jeder davon besteht aus neun Stunden, die wiederum jeweils eine Aktion erlauben. Der Ablauf eines Tages gliedert sich in drei Phasen.
1. Planungsphase
Hinter dem Sichtschirm wird der komplette Tag vorgeplant. Jede Stunde erhält einen Marker, der nur den Ort festlegt, Weiß: Apotheke, Blau: Dorf, Grün: Wald.
Die genaue Aktion wird erst später entschieden. Das erzeugt ein reizvolles Spannungsfeld. Man legt sich fest, ohne zu wissen, ob andere Spieler dieselben Orte blockieren oder wichtige Aktionen vor der eigenen Reihenfolge wegschnappen.
Besonders clever ist die Begrenzung der Marker – wer viele Waldaktionen plant, kann nicht gleichzeitig viele Dorfbesuche einplanen. Fortbildungen oder Boni können zusätzliche Marker freischalten, was langfristige Planung belohnt.
2. Arbeitsphase
Die Reihenfolge wird über die Teeleiste bestimmt, ein charmantes Detail, das die Initiative im Spiel abbildet.
Stunde für Stunde wird nun die Aktion des gewählten Ortes ausgeführt. Wichtig dabei: Lehrlinge blockieren eine Stunde, wenn sie nicht rechtzeitig ausgebildet wurden. Experimentieren ist immer möglich, unabhängig vom Ort.
Nach jeder Aktion wandert der Marker zurück in den eigenen Vorrat.
3. Tagesverwaltung
Neue Patienten erscheinen, der Händler wechselt seine Öffnungszeiten, und die Fortbildungen rücken nach. Danach beginnt der nächste Tag.
Die Aktionen.
Apotheke – das Zentrum der Heilkunst
Hier werden die eigentlichen Aufgaben erfüllt. Patienten annehmen (maximal zwei gleichzeitig). Jede Karte zeigt Krankheit, benötigte Zutaten, Fähigkeiten und den Lohn. Medikamente herstellen (innerhalb eines Tages sollte die Behandlung erfolgen. Wer zu spät ist, verliert Genesungspunkte). Tee herstellen (ein kleiner, aber wichtiger Motor, um auf der Teeleiste voranzukommen).
Die Apotheke ist der Ort, an dem die Planung sich auszahlt – wer hier nicht rechtzeitig erscheint, riskiert Minuspunkte.
Dorf – Fortbildungen, Lehrlinge, Händler
Das Dorf ist der Ort der Weiterentwicklung. Fortbildungen verbessern Mischen, Pressen, Filtern und Erhitzen. Einzelfortbildungen erlauben schnelle, kleine Verbesserungen. Lehrlinge bringen langfristige Vorteile, müssen aber ausgebildet werden. Der Händler verkauft Mörser und Einrichtungsgegenstände, die wiederum Boni auf vier Bonusleisten freischalten.
Die Bonusleisten sind ein starkes taktisches Element. Sie bieten Sofortboni, dauerhafte Vorteile oder Genesungspunkte. Besonders die großen Effekte auf dem dritten Feld jeder Leiste können eine ganze Partie kippen – etwa zusätzliche Mörser, doppelte Aktionen in der Apotheke oder zusätzliche Pflanzen im Wald.
Wald – Pflanzen sammeln und Pflanzenkunde steigern
Der Wald ist die Ressourcequelle. Jede Pflanze ist wichtig, denn sie wird für Medikamente, Fortbildungen und Einkäufe benötigt. Gleichzeitig steigt hier die Fähigkeit Pflanzenkunde, die nur durch Sammeln oder Experimentieren verbessert werden kann.
Experimentieren – das kleine Risiko
Experimentieren ist eine flexible Zusatzaktion, die unabhängig vom Ort möglich ist. Es erlaubt das Steigern der Pflanzenkunde oder das Erhalten kleiner Vorteile. Einige Fortbildungen oder Bonusleisten erlauben zusätzliche Experimente – ein schönes Detail, das die Apotheker-Thematik stärkt.
Der Prototyp zeigt bereits klar, wohin Tinctura will. Ein ruhiges, planungsorientiertes Spiel, das nicht überfordert. Ein thematisch dichtes Erlebnis, das die Apotheke glaubhaft abbildet. Ein taktischer Kern, der durch die Planungsphase und die Bonusleisten entsteht.
Die Mechaniken sind leicht zugänglich, aber die Verzahnung der Orte, Fähigkeiten und Zeitfenster erzeugt interessante Entscheidungen. Besonders die Fortbildungen und Bonusleisten geben dem Spiel eine langfristige Struktur, während die Patienten und Waldplättchen kurzfristige Prioritäten setzen.
Das fertige Spiel dürfte noch runder werden – der Prototyp zeigt bereits eine solide Basis, aber manche Abläufe sind noch etwas unpräzise formuliert und die Balance zwischen den Bonusleisten könnte Feinschliff vertragen. Optisch ist das Spiel bereits sehr ansprechend und die thematische Einbettung funktioniert hervorragend.
„Tinctura“ ist ein atmosphärisches, angenehm taktisches Spiel, das den Alltag einer historischen Apotheke mit viel Liebe zum Detail einfängt. Die Mischung aus Planung, Ressourcenmanagement und Fortbildung erzeugt einen ruhigen, aber spannenden Spielfluss. Der Prototyp wirkt bereits erstaunlich ausgereift und die Crowdfunding-Ergebnisse lassen vermuten, dass die finale Version noch stärker sein wird (inkl. höherer Wertung).
[Note lt. Kompetenz-Team]
.5 von
Punkten.
{gespielt von Babsi, Pascal}
[Links]
BGG: https://boardgamegeek.com/boardgame/458320/tinctura
HP (Gamefound): https://gamefound.com/en/projects/skellig-games/tinctura
Ausgepackt: n/a
[Galerie: 14 Fotos]




