Review: „Screamer (XBOX Series X)“
Mit Screamer wagt Milestone einen radikalen Neustart einer Marke, die viele noch aus den 90ern kennen – damals ein PC-Racer, der Realismus und Geschwindigkeit verband, heute ein völlig neu gedachtes Action-Rennspiel, das sich mit voller Wucht in Anime-Ästhetik, Story-Drama und Arcade-Tempo stürzt. PLAION bringt diesen Reboot u.a. auf die Xbox Series X|S, und schon nach wenigen Minuten wird klar: Hier geht es nicht um nüchterne Rundenzeiten, sondern um ein Rennspektakel, das sich wie eine Mischung aus futuristischem Straßenkampf, Neon-Metropole und interaktiver Anime-Serie anfühlt.

Die Welt von Screamer ist eine Stadt, die vom illegalen Rennsport durchdrungen ist. Fünf Fraktionen teilen sich das urbane Territorium, jede mit eigenem Stil, eigener Philosophie und eigenen Rivalitäten. Als Newcomer wird man mitten in diese Machtspiele geworfen und muss sich nicht nur fahrerisch beweisen, sondern auch entscheiden, wem man vertraut, wen man herausfordert und welche Allianzen man riskiert. Diese Entscheidungen sind nicht bloß schmückendes Beiwerk – sie beeinflussen, welche Fahrzeuge, Strecken und Storypfade sich öffnen. Das Spiel erzählt seine Geschichte mit einer Ernsthaftigkeit, die man im Genre selten sieht: Rache, Ehrgeiz, Loyalität und persönliche Konflikte treiben die Handlung voran, während man sich durch die Hierarchie der Teams kämpft.

Visuell ist Screamer ein Statement. Die Zwischensequenzen stammen vom renommierten japanischen Studio Polygon Pictures, das unter anderem für Knights of Sidonia und Blame! bekannt ist. Über 30 Minuten hochwertiger Anime-Sequenzen verbinden die Rennen zu einer zusammenhängenden Erzählung, die sich anfühlt, als würde man eine stylische Sci-Fi-Serie spielen. Die Fahrzeuge selbst wirken wie futuristische Kampfmaschinen, die mit Boosts, Schilden und brachialen Angriffen ausgestattet sind – dank der sogenannten ECHO-Technologie, die das Renngeschehen in Richtung „Hero Racer“ verschiebt. Es geht nicht nur darum, schnell zu sein, sondern darum, Gegner spektakulär auszuschalten, Angriffe zu kontern und im richtigen Moment die volle Power zu entfesseln.

Spielerisch setzt Milestone klar auf Arcade-Feeling. Drifts gehen leicht von der Hand, Überholmanöver fühlen sich unmittelbar befriedigend an, und die Rennen sind so inszeniert, dass man kaum eine Sekunde zur Ruhe kommt. Gleichzeitig steckt unter der Haube ein Rollenspielsystem, das Fahrer und Fahrzeuge weiterentwickelt. Erfahrungspunkte schalten Fähigkeiten frei, Upgrades verändern das Handling spürbar, und optische Anpassungen machen das eigene Gefährt zur persönlichen Visitenkarte. Die Stadt selbst dient als Bühne für enge Stadtkurse, nächtliche Autobahnen und Industrieareale, die jeweils von einer der Fraktionen dominiert werden und deren Identität widerspiegeln.

Dass Screamer sich erzählerisch so viel zutraut, ist vielleicht seine größte Stärke. Wo andere Racer Story nur als dünnen Rahmen nutzen, macht Milestone sie zum Herzstück. Die Anime-Inszenierung, die dramatischen Konflikte zwischen den Teams und die verzweigten Entscheidungen geben dem Spiel eine emotionale Tiefe, die man in diesem Genre kaum findet. Gleichzeitig bleibt es ein zugänglicher Arcade-Racer, der sofort Spaß macht und nicht verlangt, dass man stundenlang Fahrzeugphysik studiert.

Wer ein klassisches Rennspiel erwartet, könnte überrascht sein – Screamer ist eher ein Hybrid aus Racer, Actionspiel und Anime-Drama. Aber genau das macht es so frisch. Es ist ein mutiger Reboot, der die Wurzeln der Marke respektiert, aber mit voller Absicht in eine neue Richtung driftet. Für Fans von Neon-Ästhetik, Story-getriebenen Spielen und Arcade-Action ist es ein echtes Highlight. Und für die Xbox Series X|S liefert PLAION ein Rennspiel, das sich traut, anders zu sein: laut, emotional, stilisiert – und vor allem unverwechselbar.

Wertung:
Spielspaß:
von
Punkten.
Daten:
Plattform: XBOX
USK: 12
Publisher: PLAION

Screenshots: