Review: „Hellblade: Senua’s Sacrifice (PC)“

Tief mittelalterlich und in wunderschöner Gestaltung präsentiert sich „H:SS“ dem Spieler auf dem Monitor, es gibt viel zu sehen, aber nicht so viel zu entdecken. Das macht aber nichts, denn das ungewöhnliche Spielkonzept nimmt den Spieler ohnehin mit auf eine Reise, die er oder sie so noch nicht erlebt hat. Unsere Helden „Senua“ macht sich auf, um ihren verstorbenen Liebsten aus den Fängen der Höllengöttin zu befreien und wieder zu beleben. Ihr Problem auf dem Wege dorthin ist nicht nur die mystische Ungereimtheit, wie sie dies generell vollbringen soll, sondern vor allem ihre psychosomatische Störung.

Mit viel Hintergrundwissen und begleitenden Beratern haben die Entwickler der Protagonistin eine Form der Schizophrenie und Depression anprogrammiert, die sie, wie natürlich auch den Spieler, immer wieder vor besondere Aufgaben und Rätsel stellt und vor allem den Beobachter des Spielverlaufs mit Fleiss verstört und nachdenklich zurücklässt.

So wird „Senua“ auf ihrer an sich abstrusen Reise von vielen gleichzeitig erklingenden Stimmen begleitet und teilvisionären optischen Beeinflussungen. Diese werden dann auch in Rätselform vom Spiel gerne hergenommen und verlangen vom Spieler Runen-ähnliche Gebilde in der Umgebung und Landschaft wieder zu erkennen (z.B. eine „N“-Form, die sich darstellt, wenn bestimmte Bäume aus einem bestimmten Winkel betrachtet werden).
Weiterhin muss sie sich den Dämonen ihres Vorhabens stellen und kämpft immer wieder gegen tierähnliche Monster. Hier gilt es aufzupassen, da zu häufige Spieltode die Heldin nach und nach verderben lassen, bis sie (offiziell) nicht mehr weiterspielen kann und damit jeglicher Spielfortschritt gelöscht wird!!!! – SPOILER: NOT!

Die wirklich wunderbare Grafik und die unglaublich gelungene (psychotische) Soundkulisse bringen eine derart bedrückende Stimmung herüber, dass sich der interessierte Spieler zwangsläufig in die wirre Welt hineingezogen wird und sich erstaunlicherweise aber auch gar nicht dagegen wehren will. Zu interessant und innovativ sind Spielidee und -ablauf, wenn auch an einigen Stellen etwas repetitiv und vllt. eintönig – die Landschaft ist wunderschön, bietet aber keine wirklich spielrelevanten Extras, man folgt der unsichtbaren Linearität.

Die Steuerung erfolgt dabei gänzlich intuitiv, denn es gibt keinerlei HUD-Komponenten, Interface-Bereiche oder sonstige Icons. Dadurch wird der Spieler weniger abgelenkt und ergibt sich ganz den Bildschirmgeschehen. Schade allerdings, dass die Tastaturbelegungsoption etwas buggy ist, so lassen sich nicht alle Tasten beliebig nutzen und oftmals wird autom. die [ALT]-Taste vorausgesetzt.

Ohne die Story-Teile zu verraten muss unbedingt erwähnt werden, dass das Motion-Capture-Model hervorragende Arbeit leistet. Man nimmt ihr jede Emotion ab und fühlt mit ihr.
Überhaupt ist das Spiel sehr emotionsgeladen und so wird im Laufe des berühmten roten Fadens viel auf die nordische Geschichte und deren Götter und Glaubensrichtungen eingegangen, aber auch auf die privaten Bereiche unserer Heldin, wobei der Hauptteil, die eigentliche Reise und Suche, stellenweise etwas kurz kommt.

Rundum wurde hier aber ein Titel abgeliefert, der seines gleichen sucht und jedem mutigen (und stellenweise geduldigen) Spieler unbedingt ans Herz gelegt werden muss!

 
Wertung:
Spielspaß: 5 von 6 Punkten.

Daten:
Plattform: PC (Steam)
USK: 16
Publisher: Ninja Theory Ltd.

 

Screenshots:

Das könnte Dich auch interessieren …