Review: „Tyranny (PC)“

Ein Abenteuer voller Entscheidungsfreiheiten erwartet den geneigten Spieler hier beim opulenten RPG von Obsidian Entertainment.

Dies beginnt schon bei der Charaktererstellung, bei der man zwischen 8 Urtypen wählen kann, die dann immer weiter spezialisiert werden, ohne sich dabei auf eine bestimmte Klasse oder Gattung festlegen zu müssen, d.h. ein Feuermagier in schwerer Rüstung mit Schwert sowie Pfeil und Bogen ist durchaus möglich!
Und dies zieht sich durch das gesamte Spiel und Entscheidungen gibt es derer viele, allein schon bei den vielen, vielen Dialogen mit NPCs.
Gelesen werden muss generell recht viel, dies trägt zum einem zur Atmosphäre bei, da die Texte allesamt klasse geschrieben sind, zum anderen braucht es aber auch schon einen entsprechenden Geduldsfaden, Hack’n’Slay-mäßige Einzeiler im Vorbeilaufen gibt es hier nicht^^.

Laut Story begibt sich der Spieler als Schicksalsbinder in Terratus auf Reisen, um, im Auftrage seines Gottes Kyros, den dortigen Aufständen durch die Rebellen Herr zu werden. Zwei große Armeen wurden schon entsandt, doch dummerweise sind sich diese überhaupt nicht wohlgesonnen und so gilt es auch hier immer gut abzuwägen, wie man sich wem gegenüber verhält.
Wer im Spielverlauf einmal den Überblick verliert, kann durch verlinkte Schlagwörter in den Texten schnell nachschlagen, um wen oder was es sich hier gerade handelt. So behält der Spieler auch leichter im Kopf, was zu den jeweiligen Konsequenzen geführt hat oder wohl führen wird, die er erleidet bzw. denen er sich wird stellen müssen. Und da diese sich durch anfängliche Entscheidungsfragen bei der Spielerstellung und natürlich im jeweiligen Spielverlauf bei jeder neuen Partie ändern, spielt man „Tyranny“ auch durchaus zweimal durch, ohne den gleichen Ereignissen zu begegnen. So werden aus 40 Stunden Spielzeit dann gerne 60, um auch wirklich alles gesehen und erlebt zu haben.

Nicht nur in den Dialogen sind Entscheidungen wohl zu überlegen – wenn diese auch in manchen speziellen Bereichen Erfahrungspunkte bringen -, sondern vor allem auch in den taktischen Kämpfen. Diese lassen sich genre-gewohnt pausieren, damit jedem Recken entsprechend ein Kampfbefehl in Ruhe erteilt werden kann.
Die eigene Spielgruppe wächst im Laufe des Spiels an und auch hier gibt es natürlich vieles zu beachten, damit diese durchgehend „gut“ miteinander, aber auch mit der Umwelt „kann“, denn Reputation ist alles.
Die Kämpfe werden schick präsentiert und so knallt und wummt es an jeder Ecke, wenn Zauber gewirkt und Schwerter geschwungen werden – dabei wird auch nicht mit Pixelblut gespart und so manche Kampfsequenz kann auch mal mit dem Schubsen des Gegners über eine Klippe enden.

Die KI hilft bei den Kämpfen, indem vorher festgelegt wird, wie sich die Kameraden verhalten sollen oder ob ein Kampf z.B. automatisch pausiert, wenn die Lebensbalken beängstigend niedrig sind.
Schick ist, dass der Spielercharakter mit seinen Kameraden Kombos wirken kann, indem er sie in seinen Kampf direkt mit einbezieht und so noch effektiver wirken kann.

Nachdem dann irgendwann die Hauptmission quasi erfolgreich abgehandelt wurde, fällt auch der Zeitdruck weg, den Gott Kyros mit auf den Weg gab, denn wenn es nicht innert 8 Tagen zu Frieden in der Welt kommt, hat er die Faxen dicke und tötet alle! Aber nicht nur dieser Stress fällt weg, sondern auch der Schleier auf der Weltkarte, da nun viele weitere Orte freigeschaltet werden, die es zu bereisen und zu erkunden gilt. Und dann kommt es zu vielen weiteren Geschichten, Ereignissen, Nebenaufgaben und Entdeckungen – sowieso sollte jede Ortschaft und jede Umgebung genau untersucht werden, da reichlich Gegenstände versteckt wurden und nur auf ihre Aufdeckung warten.

„Tyranny“ ist ein enorm komplexes Spiel alter Schule, mit schicker Präsentation (zwar in Iso-Sicht, aber mit sehr coolen Effekten^^) und viel erzählerischem Tiefgang. Wer sich geduldig auf dieses Abenteuer-Pferd schwingen mag, wird entsprechend belohnt werden.

 
Wertung:
Spielspaß: 5 von 6 Punkten.

Daten:
Plattform: PC (Steam)
USK: 16
Publisher: Paradox Interactive

 

Screenshots:

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