Al Rashid

La Cittá, Nautilus, Anno 1503, Anno 1452, Rheinländer, Euphrat&Tigris, Wallenstein, Der eiserne Thron, uvm.

Moderator: MrSkull

Antworten
Benutzeravatar
MrSkull
Site Admin
Beiträge: 2081
Registriert: 05.10.2005 16:52
Wohnort: bei München

Al Rashid

Beitrag von MrSkull » 19.05.2014 15:46

Workerplacementspiel für 2-5 Spieler ab 13 Jahren von Pierluca Zizzi und Giorgio De Michele.

Die Spieler simulieren das Leben am Hofe des Al Rashid, Großkalif und islamischer Führer in der Zeit 786 bis 809 n.Chr. - dessen Lebenslauf sogar in mancher Anekdote der Märchen von 1000 und 1 Nacht zu finden ist.
Es gilt sich durch kluges Taktieren und Schachern beim Großkalifen beliebt zu machen und viel Einfluß zu gewinnen, um am Ende mit den meisten Geltungspunkten zu gewinnen.


Spielvorbereitung:
Zunächst wird der Spielplan in die Tischmitte gelegt und entsprechend bestückt. Dazu werden die Rohstoffspielsteine (Seide, Töpferwaren, Harthölzer, Metalle und Gewürze) auf die vorgedruckten Silhouetten gelegt - der Rest kommt als sortierter Vorrat beiseite - dito die drei ersten Kreditgutscheine.
Die Titelmarker werden nach ihren Farben sortiert (je 8 in schwarz, rot, blau, türkis, grün und lila) und entsprechend der Spielerzahl je 1 bis 8 davon auf den 6 Palastablageplätzen gelegt. Die politischen (+1) Einfluss- und (-2) Ehrverlust-Marker werden genauso sortiert zur Seite gelegt, wie die verdeckt gemischten Söldnerplättchen und Krisenkarten (von den Krisenkarten werden die drei Schwarzen gemischt und eine davon zufällig als Startkarte gezogen, die restlichen weißen (Runden-)Karten verbleiben als Nachziehstapel).
Die erste Krisenkarte gibt an, an welchen Städten/Orten noch Söldnerplättchen hingelegt werden. Der schwarze Rundenmarker wird auf die 1 der Rundenleiste gestellt.

Die Spieler erhalten in ihrer gewählten Farbe je eine Pascha-, Händer- und Weisenfigur sowie einen Reihenfolgemarker, welcher sogleich auf die Reihenfolgeleiste gesetzt wird (zu Spielbginn wird dies zufällig entschieden, später ergeben sich durch bestimmte Aktionen Änderungen in der Zugreihenfolge, die dann dort angegeben wird) und ein gewisses Startkapital, gemäß der Spielerzahl.


Spielziel:
Den größten Einfluss am Hof zu erhalten und damit die meisten Geltunspunkte.


Spielablauf:
Der Spielerreihenfolge entsprechend setzt nun jeder Spieler eine seiner Figuren ein und zwar so lange abwechselnd, bis niemand mehr Figuren einsetzen kann oder will. Hiernach folgt die Wertung bzw. Ausführung der gesetzten Aktionen.

Es gibt zwei Bereiche auf dem Spielfeld, die Paläste im oberen Teil und die Landkarte. In beiden Bereichen können Figuren eingesetzt werden. In den Palästen erhalten die Spieler bestimmte Boni, Gefälligkeiten und Titel, im Landesinneren Rohstoffe.
Alle nutzbaren Orte und Plätze/Paläste haben 5 Felder zum Abstellen von Figuren und um eine der dortigen Aktionen nutzen zu können, müssen Spieler die Mehrheit besitzen - bei Gleichstand zählt, wer als Erster dort eine Figur platziert hat (ganz links).
Mehrheiten werden durch die Figur bzw. der Figuranzahl bestimmt. So ist der Pascha 5 wert, der Händler 3 und der Weise 1.
So wäre z.B. bei einer Platzierung von grün: 1 Pascha, gelb: 1 Händler und 3 Weise, gelb im Vorteil (5<6).

Haben alle Spieler ihre Figuren gesetzt, werden die einzelnen Bereiche abgearbeitet:

Landschaft:
Hier wird pro Region geschaut, welche drei Spieler - denn immer nur die ersten Drei erhalten die Möglichkeit die Boni bzw. hier die Rohstoffe zu erhalten - die Mehrheit inne haben und von diesen darf der Erste entscheiden, ob er alle Rohstoffe einer Sorte nehmen möchte oder drei einzelne Rohstoffe verschiedener Sorten. Der Zweitplatzierte darf sich noch 2 Rohstoffe nehmen, der Dritte den evtl. Rest.

Sollten an einer Region allerdings Söldner(plättchen) zu Lande und/oder Wasser ausliegen, müssen diese zunächst besiegt werden, bevor die Rohstoffe vergeben werden können.
Dazu muss der aktive Spieler mindestens gleichwertige Söldnerplättchen besitzen und abgeben, wie dort ausliegen. Hat er keine oder zu wenig Söldner, muss er seine Figur abziehen, erhält keinerlei Rohstoffe und muss sich einen Verlustmarker (-2 polit. Einfluss) nehmen.
Kann er im Falle von mehreren ausliegenden feindlichen Söldnern immerhin ein (paar) Plättchen erfolgreich bekämpfen, muss er nur seine Figur abziehen und auf die Rohstoffe verzichten, entgeht aber der Entehrung.

Palast:
Im Palast sind verschiedene Gilden anzutreffen, respektive deren Leiter, die den Spielern für einen entsprechenden Obolus Gefälligkeiten, Titel (bringen Punkte und evtl. Sonderfähigkeiten) und Aktionen bieten.

So erlaubt die Gilde der Intriganten^^ das heimliche Ansehen aller ausliegender Söldnerplättchen oder eine Spiel-Figur auf eine noch nicht abgearbeitete Region zu stellen.
Die Gilde vergibt ferner bis zu 4 namentliche Titel, aber je nach Spielerzahl sind nur wenige davon im Spiel verfügbar. Als Gefälligkeit erkauft man sich für 1 Gold die Möglichkeit die Gefälligkeitsoption eines anderen Gildenleiters zu nutzen - praktisch, wenn man dort nicht steht bzw. keine Mehrheit hat.

Die Militärs gestatten das Rekrutieren von Söldnern (rot/blau), je nach Mehrheitsverhältnissen erhält der Spieler 1, 2 oder 3 Plättchen nach Wahl und legt sie zu sich.
Die Gilde vergibt ferner bis zu 4 namentliche Titel, aber je nach Spielerzahl sind nur wenige davon im Spiel verfügbar. Der Nutzen der militärischen Gefälligkeit erstreckt sich über den Tausch einer Ware mit einem Söldnerplättchen - günstiger kauft man keine Soldaten ein^^.

Die Gilde der Weisen vermittelt altes Wissen in Überlieferungen und lehrt so den Bittsteller die Ausbildung von Weisen. Der Spieler darf sich eine Weisen-Figur nehmen, wobei je nach Mehrheitsverhältnissen der Spieler dafür 5, 7 oder 9 Gold bezahlen muss.
Die Gilde vergibt ferner bis zu 4 namentliche Titel, aber je nach Spielerzahl sind nur wenige davon im Spiel verfügbar. Bei den Weisen darf man erwarten, für 2 Gold einen Kreditgutschein zu erhalten - diese Gutscheine kann man beim Kauf von Titeln einsetzen und reduzieren deren Kaufpreis entsprechend.

Die Händlergilde gestattet das Anwerben von Händlerfiguren und je nach Mehrheitsverhältnissen zahlt der Spieler 8, 10 oder 12 Gold für das Nehmen einer Händler-Figur.
Die Gilde vergibt ferner bis zu 5 namentliche Titel, die auch alle im Spiel verfügbar sind. Als Gefälligkeit vergibt sie für 0 Gold die Option eine Ware mit einer anderen Ware zu tauschen.

Die Politiker schließlich verlangen je nach Mehrheitsverhältnissen vom Spieler 11, 13 oder 15 Gold für eine Pascha-Figur.
Die Gilde vergibt ferner bis zu 8 namentliche Titel, die auch alle im Spiel verfügbar sind. Und für 1 Gold darf man sich einen (+1) Einflussmarker nehmen.

Neben all diesen Möglichkeiten darf man auch noch beim Großkalifen selbst vorstellig werden - mit einer Paschafigur! Dieser vergibt dann auch extra Titel (für unterschiedliche Goldmengen) und läßt Großzügigkeit walten, denn die ersten drei Spieler erhalten je eine Ware nach Wahl und der Spieler, der hier die Mehrheit dominiert wird automatisch erster Spieler in der nächsten Runde - Reihenfolgemarker entsprechend anpassen!

Bezahlt wird im Spiel übrigens ausschließlich mit Waren. Deren Goldwert ergibt sich aus der auf dem Spielplan aufgedruckten Tabelle, so ist 1 Ware 1 Gold wert, 2 Waren 3 Gold, 3 Waren 6 Gold, 4 Waren 10 Gold und 5 Waren 15 Gold - es müssen aber immer verschiedene Waren sein!
Um z.B. ein 18 Gold zu bezahlen, könnte der Spieler 5 Waren (Wert 15) plus 2 weitere Waren (Wert 3) abgeben, oder 3mal 3 Waren (Wert: 3x6).


Spielende:
Das Spiel endet nach Abschluss der fünften Runde.
Nun werden noch die Punkte zusammengerechnet und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Die Familienmitglieder (Spielerfiguren) bringen pro Pascha 3 Punkte, pro Händler 2 und pro Weisen 1 Punkt ein. Die Titel haben ihren Punktewert jeweils aufgedruckt, die politischen Einflussmarker sind je 1 Punkt wert und die negativen Einflussmarker werden vom Gesamtergebnis noch abgezogen.


Fazit:
Al Rashid ist ein gutes Workerplacementspiel, bei dem so einiges taktiert werden muss, um nicht den Mitspielern gegenüber den Anschluß zu verlieren. Daher richtet es sich auch eher an Vielspieler aus der Kennerspielecke.
Was etwas schade ist, dass die Optik so trist scheint, auch die großen Schriften sind schwer zu lesen, da sie arabisch verschnörkelt sind, um zur Atmosphäre beizutragen - da hätte man vllt. noch im Minidruck Klarschrift daruntersetzen können.
Die Anleitung muss mindestens 2mal quergelesen werden, vor dem ersten Vorbereiten des Spiels, da hier einige Unklarheiten versteckt sind, aber spätestens nach einem Spiel ist man um einiges schlauer^^ - hilfreich wären da auch sicherlich einige Bebilderungen für Beispiele oder zumindest aller Komponenten.

Die Spielmechanik selbst greift dagegen gut und die Rundenabläufe sind dann recht strukturiert - wenn einmal verstanden^^. Durch das fast zeitgleiche Setzen und Agieren kommen keine Längen im Spiel auf und dennoch verläuft ein Spiel gut 2 Stunden in einer 3er-Runde.
Glücksmomente gibt es quasi keine und man wird immer zum Vorausplanen gebracht, - was das Spiel eben sehr taktisch macht - dazu hat man aber in den kurzen Wartezeiten zwischen den Zügen genügend Gelegenheit.

Insgesamt ist Al Rashid ein durchaus feines Spiel, nur eben recht trocken in der Aufmachung und der Zugänglichkeit. Wenn man aber einmal "drin" ist, findet es sich gerne wiederholt auf dem Tisch wieder.


weiterführende Hinweise:
- BGG-Eintrag: http://boardgamegeek.com/boardgame/127282/al-rashid
- HP: http://www.yemaia.com/
- Anleitung: englisch, weitere Sprachen im Internet abrufbar
- Material: bis auf die Titelplättchen, sprachneutral

Antworten

Zurück zu „Strategiespiele“