Review: „Yakuza ZERO (PS4)“

Yakuza ZERO erzählt die Geschichte des Kazuma Kiryu, wie er zur Yakuza kam, dort diente, ausschied und seinen Ruf wiederherzustellen sucht.
Das ganze findet in den 1980er Jahren statt und wird auch entsprechend grafisch dargestellt und in der quasi-openworld auch gesellschafts-stylisch herübergebracht.
Das ist natürlich japanophil durchzogen, spielt das Geschehen schliesslich in Japan, und kommt daher dem westlichen Erinnerungsvermögen an die 80er-Popkultur nicht immer so entgegen^^.

In der Story wird unser Protagonist als Soldat der Yakuza erklärt, der nebenher für einen Kredithai Schulden eintreibt. Eine solche Aktion läuft nun ganz und gar nicht so, wie sie sollte – SPOILER: das Opfer wird später tot aufgefunden und wenn auch das Zusammenschlagen noch als gang und gebe gilt, ist die Ermordung eines „Ziels“ absolut verpöhnt – und fortan muss er versuchen seine Unschuld zu beweisen, was im Zuge der Wichtigkeit von Ehre und Loyalität in der Yakuza sehr schwer fällt.
So kommt es zu diversen Intrigen und Wendungen, die, ohne zu viel zu verraten, für noch mehr Action und Stress in der Hauptstory sorgen.
Neben dem roten Faden aber, gibt es noch viel, sehr viel zu entdecken und zu erleben, so begegnen dem (Anti-)Helden auf seinen Rundgängen durch die große Stadt laufend Charaktere, die auf die eine oder andere Weise seine Hilfe beanspruchen und dadurch oft auch Ketten von Mini-Missionen auslösen.
Diese sind in der Regel recht unterhaltsam, gelegentlich sogar mit einer tiefere „Message“ versehen und oft sehr abwechslungsreich, aber deren Ende bzw. Auflösung will nie so richtig zum harten (Ex-)Yakuza passen, denn zu 90% endet eine solche Nebengeschichte mit Herzschmerz und Friede-Freude-Eierkuchen.
Ob dies auch der generellen japanischen Popkultur im Games-Genre geschuldet ist, kann aufgrund mangelnder diesbezüglicher Kenntnisse nicht nachvollzogen werden, es fällt aber halt auf. Nach einigen Stunden nimmt man es aber auch als gegeben hin und auch wenn es etwas die Atmosphäre bricht, passt es irgendwann schon.

Auch sonst lässt sich nebenher noch viel erleben, so können diverse Supermärkte, Shops, Kneipen, Restaurants, Clubs, XXX-Läden, Glücksspiel-Cafes, Spielhallen und noch viel mehr erkunden, z.B. auch eine Baseball-Schlagarena oder ein Mini-Rennauto-„Zirkus“ (für welche auch Teile gesammelt werden können, da sich diese tunen lassen).

Der Hauptgeschichte folgend redet und prügelt sich Kazuma durch Stunden von Konsolenvergnügen hindurch und kann dabei seine Kampfattribute – ganz Action-RPG-mäßig – nach und nach ausbauen und neue (Kampf-)Fähigkeiten lernen – interessanterweise nicht nur durch Lehrer, die er kennenlernt, sondern auch durch reine Beobachtung anderer Athleten, so guckt er sich z.B. eine Bewegungsabläufe von Profi-Breakdancern ab und nutzt diese in seinen spezielleren Kampfabläufen.
Lesen muss man viel, denn bevor es zu handfesten Auseinandersetzungen kommt, wird meist erst viel engl. Text (seiten-)gescrollt – eine (japanische Original-)Vertonung liegt nur teilweise vor. Gut, die häufig umherlaufenden Strassenschläger brauchen kaum Worte, da wird gleich „losgelegt“^^.
Auf jeden Fall stehen dem Spieler viele Stunden Spielspass bevor, wenn er sich denn auf die Geschichte und die Rahmenhandlungen einläßt. Dazu muss man den Stil mögen und hie und da mal augenzwinkernd über einige Jahrzehnt-Ungereimtheiten (80er versus Gebäudearten, Sprüche, u.a. Kleinkram^^) hinwegsehen.
Spannend ist es allemal, wenn auch für Serienkenner sich manches wiederholend oder „alt“ anfühlen soll (hören-sagen), und so konnten bisher gute 30 Stunden kurzweilig in der Ykauza ZERO – Welt verbracht werden und es gibt immer noch was zu tun :).
Nicht zuletzt auch dadurch, dass hier gleich 2 Geschichten erzählt werden, denn neben der von Kazuma, wird alle 2-3 Kapital, zu Goro Majima gewechselt und dessen Geschichte durchlebt.
Dieser betreibt einen extrem gut laufenden Nachtclub, muss aber als Ausgestossener der Yakuza ungewollt viel Drecksarbeit für diese übernehmen, immer in der Hoffnung, irgendwann wieder aufgenommen zu werden.
Auch er kann sich (mehr oder weniger) frei umherbewegen und diverse Nebenmissionen und -aktionen erleben und angehen, spielt sich aber aufgrund seiner gänzlich anderen Kampfstile doch anders genug, um nicht zu ähnlich zu wirken.
Erzählt wird auch hier alles sehr ausführlich, aber auch spannend, so dass man die Geschichten beider Figuren interessiert verfolgt.

Technisch macht das Spiel kaum etwas falsch, die Präsentation ist angenehm und atmosphärisch, es wird viel Abwechslung geboten (auf jeden Fall für Serien-Einsteiger!) und die Spiel- und Kampfeinführungen gut ins Thema mit eingebunden, so dass es nicht wirklich als Tutorial stört. Nur die Teil-Vertonungen reissen einen manchmal etwas aus der Atmosphäre, wenn in einem stillen Gespräch plötzlich ein abgehacktes „Hä“, „Hii“ oder „mhmm“ zu hören ist, was i.d.R. nicht zum Lesefluss passt.
Probleme gab es keine, sobald man weiss, dass z.B. ausschliesslich an Telefonzellen gespeichert werden kann – dies wird, wie anderes auch, nicht explizit erklärt, man muss es selbst entdecken, was dann doch etwas nervt.
Die Steuerung geht mit ein wenig Übung auch intuitiv von der Hand.

Rundum liegt hier ein schickes und aufwendiges Prügel-RPG-Spiel vor, das viel Atmosphäre und Abwechslung bietet bzw. bieten kann, wenn man sich darauf einläßt.
Eine überraschende Empfehlung, die trotz immer wieder kleinerer Brüche zu permanentem Weiterspielen motiviert.

 
Wertung:
Spielspaß: 5 von 6 Punkten.

Daten:
Plattform: Playstation 4
USK: 18
Publisher:

 

100+ Screenshots:

« von 6 »

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