Review: „The Technomancer (PC)“

Die Geschehnisse auf dem Mars führen den Spieler in die Geschichte des „Technomancers“ ein, ohne dabei viel von den wahren Hintergründen zu verraten, die die Probleme seiner Bewohner und deren Regierung beschäftigen. Beginnend mit dem Abschlusstraining zum Technomancer Officer darf der, zuvor beliebig erstellte, Protagonist noch alle Kampftechniken ausgiebig trainieren, um dann mit seinem Meister die letzte Prüfung anzugehen.
Diese findet in einer nicht ganz so verlassenen Ruine statt, die zugleich als Heiligtum für die Technomancer Gilde dient und reichlich ekliges Ungeziefer beherbergt – wohl auch extra immer neu gezüchtet für die Probanden, da ist sich der Storyverlauf nicht ganz einig, denn zuerst sollen wir die Stätte säubern und befreien, zum anderen kommt heraus, dass hier viele „durch müssen“^^. Der Weg dorthin entpuppt sich aber als der schwierigere Teil der Prüfungsreise, denn viele Banditen lauern unterwegs und wollen geschickt erledigt werden – umgehen kann man sie nicht, sobald ein Kampf beginnt, stürmen auch weiter entfernte NPCs heran, wenn dieser etwas lautstarker wird oder sich – zwangsläufig – durch die vielen zwingend nötigen Ausweichmanöver über ein größeres Areal erstreckt.

Dies ist auch der anfängliche Kritikpunkt, der vielerorts angebracht wird, die Kämpfe sind zu hart. Dies kommt einem dann auch tatsächlich zunächst vor, liegt aber einfach daran, dass man sehr umsichtig vorgehen muss. Tumbes „Drauflos-Prügeln“ hilft gar nichts, es gilt die verschiedenen Kampftechniken im richtigen Moment anzuwenden und vor allem VIEL auszuweichen. Das „taktische“ Pausenmenü, welches jederzeit aktiviert werden kann, ist dabei auch sehr hilfreich, denn das Spiel friert kurzzeitig ein und man kann entsprechende Ein- und Umstellungen vornehmen (andere Kampfstellung einnehmen, Kameraden Vorgaben machen, u.a.)!

Speichern vor jedem Kampf ist dann auch noch ein gut gemeinter Rat. Spätestens aber nach der Prüfung und den ersten danach folgenden Missionen wird es einfacher. Zum einen hat der Held dann unlängst weitere Fähigkeiten erlernt (es gibt alle paar Level Punkte für Skills (aktive oder passive Kampffertigkeiten), Attribute (Stärke, Macht,…) und Fähigkeiten (Schlösser knacken,…)) und Ausrüstung erhalten. Zum anderen kommen alsbald die ersten Teamkameraden hinzu, die dann die Kämpfe sehr gut unterstützen können. Ab Level 10 herum sollten dann die Kämpfe schon eher Lust denn Frust vermitteln und mit der entsprechenden Übung gut von der Hand gehen (schleichen hilft, Heilung ebenfalls^^).

Was dann nur noch etwas nervt, sind die Laufwege. Da gilt es öfters A zu besuchen und zu untersuchen, um dann bei B Bericht zu erstatten, nur um zu erfahren, dass bei A noch etwas mitzunehmen sei, welches dann zu C gebracht werden soll, der einen dann wieder zu B schickt, um eine Belohnung zu erhalten, die bei D gut einzusetzen wäre^^. Das ist ja für ein Spiel mit RPG-Ansprüchen an sich in Ordnung, nur sind die Laufwege meist sehr weit – direkte Sprungpunkte gibt es leider nirgends – und zudem ist die Gegend meist recht öde.
Gar nicht mal grafisch betrachtet, das Spiel hat viel Detailreichtum zu bieten und sieht meist auch sehr gut aus – das dunkle und triste vielerorten ist dem Thema und dem Planeten geschuldet -, aber es fehlt das „Leben“! Es laufen zwar einige NPCs herum und viele Questgeber sind statisch platziert, aber irgendwie läuft man an allem vorbei und sieht sich nicht wirklich um. Zu „blockig“ wirken auch einige Orte platziert, z.B. der Marktplatz, da kann auch das hübsche Lichtspiel nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stände alle in Reih und Glied (eckig) angeordnet sind, das ist nicht „markt-lebendig“ und wirkt zu gekünstelt.
Die Nahaufnahmen der Charaktere schwanken denn auch zwischen sehr detailliert und hübsch und PS2-Niveau und auf derlei close-ups wird viel zurückgegriffen, wenn es in Zwischensequenzen darum geht, die Geschichte endlich voran zu bringen und aufzuklären, was es denn nun wirklich mit den verschiedenen Fraktionen (ASC, Army, Technomancer, Rebellen, Mutanten, Vory, u.a.) auf sich hat, wie sie zueinander stehen und wer nun wirklich gut oder böse (oder beides^^) ist.

Musikalisch wird die Atmosphäre wenig aufdringlich unterstützt, was auch i.O. ist, denn wirklich klassisch gute Stücke hört man nicht, eher so gerade passende Musikuntermalungen und Geräuschkulissen. Die Sprachausgabe ist ok und meist auch schauspielerisch überzeugend.

Das Wichtigste aber ist das gesamte Spielgefühlpaket und die Motivation. Und das ist den Entwicklern erstaunlich gut gelungen. Man erwischt sich permanent dabei, nur noch eben die eine Mission zu beenden oder mal nur schnell noch nachgucken, was der oder die gerade noch will oder da vorne gab es doch noch was zu entdecken und zum Händler müsste man ja auch noch und an der Werkbank gilt es noch fix die Rüstung zu verbessern, usw. :)!

Sobald man einmal im Spiel drin ist – ok, dazu muss man dem Spiel schon gut 2 Stunden Chancen einräumen -, mag man eigentlich nicht mehr aufhören und sieht über die o.g. Kritikpunkte locker hinweg bzw. nimmt diese gar nicht mehr wirklich wahr.
Die verschiedenen Story-Fäden, so wirr am Anfang, fügen sich nach und nach zusammen und bieten so manche überraschende Wendung – gar im eigenen Team!
Da ist es dann auch nicht so schlimm, dass das Spiel schwerwiegende Entscheidungen nicht so konsequent umsetzt oder ahndet (SPOILER: z.B. muss man entscheiden, ob man einen Rebellen laut Befehl ausschaltet oder aufgrund seiner erzählten Geschichte laufen läßt, da hätte bei zweiterer Wahl mehr „Strafe“ bei Berichterstattung gegenüber dem Vorgesetzten sein müssen, aber es heisst nur, naja, nächstes Mal aber nicht so, gell), man will einfach weiterkommen und wissen, wie es weitergeht.
Ab Level 15 ist man dann eh in der Spirale gefangen, jede Mission weiter anzugehen und den Helden aufzurüsten, da wird der Blick zur Uhr schon mal negiert^^.

Technisch brilliert das Spiel nicht unbedingt auf höchstem Niveau, dafür aber in gut 20 Spielstunden absolut fehlerfrei. Ein Clippingfehler hie und da, aber nie schwerwiegend störend und keinerlei Abstürze oder anderes Nerviges.
Steuerung und Navigation sind nach einiger Spielzeit kein Thema, nur die Kartenübersicht mit den verschiedenen Ebenen verwirrt auch später immer noch ab und zu, so dass die große Karte oft geöffnet werden muss, um sich zu orientieren. Die Mini-Map in der rechten unteren Ecke hilft da nur bedingt und die anfänglich durch Texthinweise immer wieder erwähnte Einblendmöglichkeit der Karte via „F“ auf das Spielgeschehen ist auch eher hinderlich. Aber es gibt zwischen den vielen Kämpfen und Laufwegen genug Zeit sich die eigentliche Karte in Ruhe anzusehen^^.

Story, Motivation, Spannungsbogen, Sammelwut und der „nur noch eben…“-Effekt lassen das Spiel bis zum Schluss auf der Festplatte und belohnen den Spieler mit einer unterhaltsamen Spielerfahrung. Sicherlich hätte einiges besser oder anders gemacht werden können, aber die Entwickler blieben ihrem Stil treu (s. Mars: War Logs) und machen auch eigentlich nicht wirklich etwas verkehrt. Der Spielspaß ist gegeben und hält einen lange bei der Stange!

 
Wertung:
Spielspaß: 4 von 6 Punkten.

Daten:
Plattform: PC
USK: 16
Publisher: Deep Silver

 

60 chronologische Screenshots aus dem laufenden Spiel:

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